Pflegegrade 2017

Die Pflegegrade 1 bis 5 – die neuen Pflegestufen 2017

10.02.2017 13:18:11

Am 01.01.2017 wurden die Pflegestufen 0,1,2 und 3 durch die Pflegegrade 1,2,3,4 und 5 abgelöst. Diese Änderung ist im Rahmen des „Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II)“ in Kraft getreten , wodurch die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Pflegebedürftigen mit kognitiven und psychischen Einschränkungen entfällt. So können unter Demenz leidende Pflegebedürftige die gleichen Leistungen zugesichert werden wie körperlich Pflegebedürftigen.

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 Das neue Begutachtungsverfahren:

Neben dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ist auch ein neues Begutachtungsverfahren, das sogenannte „neue Begutachtungsassessment (NBA)“, eingeführt worden. Der Maßstab für die jeweilige Zuordnung ist nun nicht mehr der Hilfebedarf in Minuten, sondern wie sehr eine Person in seiner Selbstständigkeit und Fähigkeiten eingeschränkt ist. Mittels eines Fragenkatalogs wird jeder neue Antragsteller auf den Grad der Selbstständigkeit überprüft. Die Zuweisung in einen der fünf Pflegegrade erfolgt durch ein Punktesystem. Es gilt, je mehr Punkte ein Antragsteller erhält, desto höher ist der Pflegegrad und die Pflege- und Betreeungsleistungen der Pflegekassen umfangreicher.

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Die fünf Pflegegrade im Detail:

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Pflegegrad 1:

Der Pflegegrad 1 ermöglicht geringfügig hilfsbedürftigen Personen den Zugang zu Pflege-und Betreuungsleistungen, wenn durch einen Gutachter des Medizinischen Dienstes (Krankenversicherung) oder der MEDICPROOF (private Versicherung) eine „geringfügige Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ festgestellt wird. Hierzu zählen Personen,  die ihren Alltag in vielen Bereichen  ohne fremde Hilfe bewältigen können.
Die Begutachtung erfolgt nach dem neuen Prüfverfahren NBA („Neues  Begutachtungsassessment“).Hier wird der Grad der Selbstständigkeit einer Person nach sechs Bereichen untersucht. Durch diese Änderung können  auch Antragsteller, die aufgrund  ihrer Krankheitssymptome nach dem bisherigen System keine Zuweisung erhalten haben, Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen. Voraussetzung für die Einstufung in den Pflegegrad 1 ist eine Mindestpunktzahl von 27 Punkten.
Wichtig zu wissen ist, dass nur neue Antragsteller in den Pflegegrad 1 eingestuft werden. Denn pflegebedürftige Personen, die bereits die Pflegestufe 0 oder 1 haben, werden automatisch in den Pflegegrad 2 umgewandelt. Dort genießen sie den sogenannten Bestandsschutz, der sicherstellt, dass Leistungen im mindestens gleichen Umfang wie vor der Pflegereform erhalten werden.

 

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Pflegegrad 2:

Zugang zum Pflegegrad 2 erhalten Versicherte, die in „Ihrer Selbstständigkeit erheblich beeinträchtigt“ sind. Darunter fallen zum Beispiel Personen, die Hilfe beim Waschen, Kleiden oder beim Toilettengang benötigen.
Für die Zuweisung in den Pflegegrad 2 benötigen Antragsteller eine Mindestpunktzahl von 27 bis maximal 47,5 Punkte. Die Begutachtung erfolgt durch den Medizinischen Dienst oder z.B. der MEDICPROOF.
Neben neuen Antragstellern können auch Pflegebedürftige mit den anerkannten Pflegestufen 0 und 1 in den Pflegegrad 2 überführt werden. Dort genießen sie den sogenannten Bestandschutz und erhalten so Leistungen im mindestens gleichen Umfang wie vor der Pflegereform. Um in den zweiten Pflegegrad überführt zu werden, bedarf es keiner neuen Antragstellung.

 

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Pflegegrad 3:

Der Pflegegrad 3 ist für Versicherte, die eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ anerkannt bekommen.  Dies trifft bei Personen die unter schweren motorischen Störungen betroffen sind.
Für die Zuweisung in den Pflegegrad 3 ist eine Punktzahl von  mindestens  47,4 bis maximal 70 nötig. Die Punktzahl wird auch hier mittels des neuen Prüfungsverfahren durch den Medizinischen Dienst oder der MEDICPROOF festgestellt.
Neben neuen Antragstellern können auch Demenzkranke mit bereits anerkannter Pflegestufe 1 sowie Pflegebedürftige der Pflegestufe 2 in den Pflegegrad 3 überführt werden. Somit ist keine neue Antragsstellung nötig.

 

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Pflegegrad 4:

Betroffene des Pflegegrades 4 leiden unter „schwersten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit“, die durch vollständige Immobilität gekennzeichnet ist.  Die Pflegebedürftigen sind in ihrer Selbstständigkeit im Alltag stark beeinträchtigt und auf Unterstützung angewiesen.
Pflegebedürftige der Pflegestufe 2 und 3 erhalten automatisch Pflegegrad 3, ohne dass eine neue Antragsstellung nötig ist.  Personen ohne bisherige Pflegestufe müssen einen Antrag stellen und werden durch den Medizinischen Dienst oder der MEDICPROOF begutachtet. Erhält der Antragssteller eine Punktzahl von mindestens 70 bis maximal 90, wird er dem Pflegegrad 4 zugewiesen.

 

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Pflegegrad 5:

Die umfangreichsten Leistungen der Pflegeversicherung werden an  Versicherte vergeben, die an einer „schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ leiden.  Darunter fallen Personen, die nicht mehr alleinständig laufen oder stehen können und daher auf fremde Hilfe angewiesen sind.
Voraussetzung für die Einstufung in den Pflegegrad 5 ist eine Mindestpunktzahl von 90 bis maximal  100 Punkte. Die Zuweisung erfolgt durch den Medizinischen Dienst und der MEDICPROOF.
Neben neuen Antragstellern können Personen mit Demenz und Härtefälle aus der Pflegestufe 3 in den Pflegegrad 5 überführt werden. Durch den Bestandsschutz werden Leistungen im mindestens gleichen Umfang gewährleistet.

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