Umbau oder Umzug?

Barrierefrei Wohnen: Wann der Vermieter einem Umbau zustimmen muss

04.06.2013 12:22:56

Eine ebenerdige Dusche, ein höhenverstellbares Waschbecken, Fußböden ohne Bodenschwellen. Was für die einen Luxus bedeutet, steht bei körperlich eingeschränkten Menschen für Bewegungsfreiheit und Lebensqualität. Doch wie flexibel sind Vermieter, wenn es um barrierefreies Wohnen geht? Hier erfahren Sie die Antwort.

Barrierefrei wohnen - Küche, Bad und Treppenhaus
Barrierefrei wohnen – Küche, Bad und Treppenhaus

Auch körperlich eingeschränkte Menschen wollen sich im Alltag selbstständig und frei zurechtfinden können. Um das zu ermöglichen, benötigen sie einen barrierefreien Zugang zu Ihrer Wohnung und Bewegungsfreiräume innerhalb ihrer Wohnung.

Die gute Nachricht: Grundsätzlich darf fast jeder Mietraum behindertengerecht umgebaut werden. Aber Vorsicht: Größere Umbaumaßnahmen wie das Einbauen eines Treppenliftes oder einer Rollstuhlrampe bedürfen der vorherigen Zustimmung des Vermieters. Gemäß § 554a Abs.1 des Bürgerlichen Gesetzbuches hat der Mieter das Recht, die Zustimmung vom Vermieter zu verlangen, wenn das Bedürfnis des Mieters an der baulichen Veränderung den Interessen des Vermieters überwiegen.

Ablehnen darf der Vermieter die Umbauten nur, wenn die Bausubstanz des Mietraumes erheblich beeinträchtigt wird und dieser dadurch an Wert verliert oder die Interessen anderer Mieter an den Umbaumaßnahmen verletzt werden.

Beispiel 1
Der Einbau eines Treppenliftes ist Voraussetzung für einen Rollstuhlfahrer zu seiner Wohnung zu gelangen. Auch hier kommt es beim Umbau zu einer Veränderung der Mietsache. Durch die Verkehrssicherungspflicht des Vermieters haben die Interessen des Mieters allerdings Vorrang, so dass dieser Umbau nicht abgelehnt werden kann.

Beispiel 2
Für einen Rollstuhlfahrer ist es notwendig die Wohnungstür auf 90 cm zu verbreitern. Diese befindet sich jedoch in einem Altbau mit gut erhaltenen Türkassetten. Nach Auszug des Mieters kann der Urzustand nicht mehr hergestellt werden, so dass die Immobilie an Wert verliert. Der Vermieter hat hier ein Interesse an einer unveränderten Mietsache, so dass der Umbau abgelehnt werden kann.

Der Vermieter hat bei jedem Umbau das Recht, eine Sicherheit in Form einer Kaution oder Bürgschaft vom Mieter zu verlangen. So ist gewährleistet, dass die Wohnung nach dem Auszug wieder in ihren Originalzustand versetzt werden kann. Die Sicherheitsleistung ist zu verzinsen.

Kleine Umbauten sind nicht genehmigungspflichtig

  • Auf die Zustimmung des Vermieters kann verzichtet werden, wenn durch kleinere Anpassungen das Wohnobjekt nicht beschädigt wird und die Wohnung in ihren Ursprungszustand zurückversetzt werden kann. Dazu zählen z.B. das Heruntersetzen der Küchenschränke, das Aushängen von Türen oder das Austauschen von Toiletten und Waschbecken.

Nach der Genehmigung – Was kostet der Umbau und wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für einen Umbau trägt immer der Mieter. Diese variieren je nach Umbaumaßnahmen. TreppenliftSo beginnen die Kosten für den Einbau einer rollstuhlgerechten, ebenerdigen Dusche bei ca. 1.200 Euro. Eine Badewanne mit integrierter Tür für einen einfacheren Ein-und Ausstieg können bereits ab 2.000 Euro erworben werden. Hinzu kommen Kosten für einen fachgerechten Einbau. Die Kosten für einen Treppenlift unterscheiden sich je nach Beschaffenheit der Treppe. Bei einer kurzen, geraden Treppe liegen sie bei ca. 2.000 Euro. Handelt es sich um eine sehr lange, geschwungene Treppe können die Kosten auf mehrere Tausend Euro ansteigen. Hier lohnt es sich eine Beratung in Anspruch zu nehmen und verschiedene Anbieter zu vergleichen.

Barrierefreiheit ist nicht nur ein Thema für körperlich eingeschränkte Menschen. Höhenverstellbare Waschbecken oder ebenerdige Duschen sind gefragte Ausstattungsmerkmale einer Wohnung. Immer mehr Vermieter haben daher Interesse an barrierefreien Umbaumaßnahmen und erheben oftmals keine Rückbauforderungen. Es lohnt sich, Ihren Vermieter auf den Verzicht des Rückbaus und eine Teilübernahme der Kosten anzusprechen.

Finanzierung und Förderungen von barrierefreien Umbaumaßnahmen

  • KFW-Bank: Mit einem Zinssatz von 1.0 – 2,1 % kann bei der KFW-Bank ein Darlehen bis zu 50.000 Euro pro Wohnung beantragt werden. Eine tilgungsfreie Zeit von bis zu acht Jahren ist möglich.
  • Krankenkassen / Pflegekassen: Nach § 11 des Sozialgesetzbuches haben alle Versicherten Anspruch auf medizinische und ergänzende Leistungen. Für die Pflegekassen bedarf es einer Pflegestufe. Pro Maßnahme sind es maximal 2.557 Euro.
  • Landeseigene Förderprogramme: Die Bundesländer vergeben Darlehen mit Regionalbonus. Jedes Bundesland entscheidet selbst, wie viel Geld zur Verfügung gestellt wird. So bietet Bayern ein 100-Prozent-Darlehen an. Rheinland-Pfalz übernimmt maximal 30 % der anfallenden Kosten.
  • Sozialamt: Bei einkommensschwachen Personen helfen Sozialämter weiter. Allerdings werden hier finanzielle Hilfen erst dann genehmigt, wenn andere Stellen ihre Unterstützung verweigern.
  • Generell gilt: Die Umbaumaßnahmen können beim Finanzamt als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden.
Artikel bewerten: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 4,00 von 5 Sternen, basierend auf 1 Stimmen.
Loading...Loading...