Fehler beim Fenstereinbau vermeiden

So bauen Sie Fenster selber ein

23.09.2013 15:50:30
Häuslebauer suchen oft nach Möglichkeiten durch Eigenleistungen an den Baukosten zu sparen. Neben dem Bohren von Steckdosenlöchern ist der Eigeneinbau der Fenster ein beliebtes Gebiet für Laien. Doch Vorsicht mit Ausrichten, Verkeilen und Ausschäumen: Wenn man es nicht richtig macht, drohen hohe Folgekosten!

DIN, Gesetze und Vorschriften

Fenster Einbau ©contrastwerkstatt Fotolia.com

Vorschriften zum fachgerechten Setzen von Fenstern finden Sie in DIN 4108 (Teil 7) und der Energieeinsparverordnung (ENEV 2009). An die hier vorgegebenen Richtlinien müssen Sie sich halten um nachher von einem Energieberater ein positives Zeugnis für ihr Haus ausgestellt zu bekommen. Spätestens beim Wiederverkauf wird dieser wichtig: Wenn dann Mängel an der Montage der Fenster festgestellt werden, macht sich das durch empfindliche Abstriche bemerkbar.

Faustregel: innen dichter als außen

Fenster müssen innen absolut luftdicht sein. Außen eingesaugtes Schlagwasser muss auch außen wieder verdunsten können. Damit verhindern Sie, dass Wasser von außen nach innen eindringt. Schon kleinste Fugen oder Kapillaren bieten dem Wasser sogenannte Kriechgänge und macht den Innenraum feucht. Verwenden Sie daher besser keinen PU-Schaum. Der ist zwar sehr flexibel und dringt in die kleinsten Ritzen, wird nach dem Aushärten aber zunehmend spröde und bröselig. Auch Temperaturwechsel machen Fenstern zu schaffen: Schaum, Fensterrahmen und Mauerwerk dehnen sich unter Wärmeeinfluss unterschiedlich stark aus, was zu Rissen, Löchern und Lücken im Schaum führen kann. Diese können nur durch ein Herausnehmen des Fensters und korrekten Wiedereinbau behoben werden. Diese ärgerliche Arbeit können Sie sich sparen, wenn Sie von vorneherein Ihre Fenster korrekt montieren.

Checkliste: Das brauchen Sie zum DIN-gerechten Fenstereinbau

  • Zollstock
  • Hammer
  • Dekompressionsdichtband
  • Acryl
  • Wasserwaage
  • 8 Kunststoffkeile pro Fenster
  • Schlagbohrmaschine mit Anschlag
  • Staubsauger
  • Schraubendreher
  • Einen Helfer

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Zwei Schritte: Vorbereitung und Montage

Nachdem Sie alle benötigten Materialien beisammen haben, kann der fachgerechte Fenstereinbau in zwei Schritten angegangen werden:

Schritt 1: Vorbereiten des Fensters

1. Messen Sie die Fenstergröße aus: Die Öffnung in der Wand sollten Sie an drei Stellen je senkrecht und waagerecht millimetergenau ausmessen. Der jeweils kleinste Wert bestimmt das Maß. Von diesem Wert noch einmal 4 cm abziehen, jetzt haben Sie die exakten Maße für Ihr neues Fenster.

2. Schwingrichtung der Fenster festlegen. Die Öffnungsseite des Fensters wird über die Seite der Scharniere festgelegt. Befinden diese sich beispielsweise auf der rechten Seite, suchen Sie nach einem „DIN Rechts“ Fenster.

3. Entfernen Sie jetzt das alte Fenster und montieren Sie am neuen Fenster den Griff.

4. Entfernen Sie aus dem neuen Fenster den Fensterflügel. Das ist der Rahmen, in dem die Scheibe befestigt ist. Dieser ist an den Scharnieren – Fachleute sprechen von „Bändern“ – mit dem Fensterrahmen befestigt. Die Bolzen der Scharniere können mit einem alten Schraubendreher vorsichtig herausgeschlagen werden. Meistens genügen kräftige Schläge mit der Faust. Wenn Sie einen Hammer zur Hilfe nehmen wollen, gehen Sie bitte entsprechend vorsichtig vor. Entfernen Sie den Fensterflügel grundsätzlich zu zweit.

5. Kleben Sie das Dekompressionsdichtband außen um den Fensterrahmen. Es trennt Rahmen und Mauerwerk voneinander. Dort, wo Fensterrahmen und Mauerwerk sich berühren würden, verhindert das Dekompressionsdichtband Schwundschäden und Wärmebrücken.

Fenster-Beratung

Schritt 2: Montage

1. Setzen Sie den Fensterrahmen in die Maueröffnung. Das Fenster muss mittig in der Öffnung sitzen. Dazu messen Sie ringsum den Abstand zwischen dem Mauerwerk und dem Fensterrahmen. Mit der Wasserwaage und zwei Keilen an der Unterseite des Fensters richten Sie den Rahmen gerade aus. Wichtig: Lassen Sie unbedingt die Beklebungen auf Rahmen und Fenster!

2. Fixieren Sie das Fenster mit den Kunststoffkeilen. Verkeilen Sie nur an den Ecken, sonst könnten Sie den Rahmen verbiegen. Stecken Sie die Keile nur handfest ein. Schläge mit dem Hammer können den Rahmen beschädigen und die gerade Ausrichtung geht verloren.

3. Stellen Sie jetzt den Anschlag ihrer Bohrmaschine auf die Länge ihrer Dübel ein. Sie bohren die Löcher einfach durch die vorgesehenen Öffnungen.

4. Kontrollieren Sie noch einmal, ob der Rahmen gerade liegt.

5. Die Rahmendübel werden eingeschlagen und von Hand eingeschraubt. Verwenden Sie keinen Akkuschrauber! Zu tief eingeschraubte Dübel können den Rahmen wieder beschädigen, darum ist hier reine Handarbeit gefragt.

6. Setzen Sie den Fensterflügel wieder ein. Das Fenster muss sich ohne zu Klemmen öffnen und schließen lassen. Wenn es hier irgendwo hakt, müssen Sie den Fensterrahmen noch einmal kontrollieren. Möglicherweise haben Sie einen Dübel zu tief eingeschraubt oder einen Keil mittig gesetzt und zu fest eingeschlagen. Wenn der Fensterflügel leichtgängig auf und wieder zu geht, haben Sie alles richtig gemacht.

7. Jetzt können Sie mit dem Ausschäumen beginnen. Achtung: Montageschaum expandiert sehr stark. Lassen Sie den Schaum aushärten. Entfernen Sie die Keile und schäumen Sie auch die entstandenen Löcher aus.

8. Mit einem Teppichmesser entfernen Sie den überstehenden Schaum. Seien Sie dabei am Fensterrahmen vorsichtig. Den Schaum können Sie großzügig lösen, ein bis zwei Millimeter Tiefe sind optimal.

9. Versiegeln Sie nun den Schaum. Dazu verwenden Sie Acrylkleber. Mit einem kleinen Holzkeil können Sie das Acryl glätten.

10. Erst wenn das Acryl abgebunden ist, entfernen Sie die Beklebungen des Fensterrahmens. Damit haben Sie sich unnötige Verschmutzungen erspart. Montieren Sie jetzt noch die Abdeckungen für die Dübel und die Scharniere, dann sind sie fertig.

Alles richtig gemacht

Der Eigeneinbau von Fenstern ist machbar, wenn Sie sich an die oben erläuterte Checkliste halten. Die Reihenfolge „Dichtband – Montageschaum – Acryl“ entspricht der DIN-Norm und der Energieeinsparverordnung und Sie haben mit dieser Anleitung nach dem aktuellen Stand der Technik gearbeitet. Herzlichen Glückwunsch!

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