Das Mindesthaltbarkeitsdatum

Bewusstes Einkaufen schont die Umwelt und den Geldbeutel

20.02.2013 10:47:24

Deutschland ist eine Wegwerfgesellschaft! Seien die Lebensmittel frisch oder konserviert, rund 81 Kilo Lebensmittel landen im Jahr pro Kopf im Abfall. Deutschlandweit beläuft sich die Zahl auf rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittelverlust im Jahr, inklusive des Verbrauchs durch Supermärkte & Co.

Küche Lebensmittel - KäuferportalDas macht aus zweierlei Sicht keinen Sinn: der Müll belastet die Umwelt und das Geld wird förmlich aus dem Fenster geschmissen. Doch was kann man tun, um dem entgegen zu setzen? Zunächst bedarf es mehr Aufklärung, wenn es um das gesetzlich vorgeschriebene Mindesthaltbarkeitsdatum geht. Denn nicht immer sind Lebensmittel verdorben, nur weil sie laut offiziellem Aufdruck abgelaufen sind. Findet man beim Aufräumen des Küchenschranks in der hintersten Ecke Konservendosen, Reis oder Nudeln, lautet oft die gute Nachricht: Viele Lebensmittel halten länger als man denkt!

Deutschland isst gesünder!

Eatsmarter, die moderne Plattform für moderne Ernährung, zeigt in diesem Beitrag den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum und was trotz nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch alles gegessen werden kann. Und auch ein kurzer Ratgeber für bewusstes Einkaufen darf in diesem Beitrag nicht fehlen.

Küchen

Was uns die Verpackungen alles verraten

Lebensmittel müssen in Deutschland eindeutig gekennzeichnet werden. Daran lässt sich in der Regel erkennen, wie lange sie noch verzehrt werden dürfen. Für Verpackungen gibt es zwei unterschiedliche Daten, denn man unterscheidet: Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum.

Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD):

Das Mindesthaltbarkeitsdatum kennzeichnet die Frist, in der etwas mindestens haltbar ist und steht für die Garantie des Herstellers auf eine einwandfreie Qualität in dieser Zeitspanne. Das bezieht sich auf die Eigenschaften wie Nährwert, Geschmack und Aussehen. Umgekehrt bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Ware nach Ablauf des Datums auch tatsächlich verdorben ist. Ist etwas bis zu drei Monaten haltbar, genügt die Monats- und Jahresangabe. Bei einer Haltbarkeit von mehr als 18 Monaten ist die Angabe der Jahreszahl ausreichend. Die Markierung der Lebensmittel durch MHD ist in der Verordnung über die Kennzeichnung von Lebensmitteln (§ 3 Abs. 1 Nr. 4 i.V. § 7 LKMV) gesetzlich verankert.

Verbrauchsdatum:

Das Verbrauchsdatum wird vor allem für frische und leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch oder Geflügel verwendet. Im Zusammenhang mit dem Verbrauchsdatum wird häufig angegeben, wie man Lebensmittel kühlen und aufbewahren sollte. Nach Ablauf der Frist dürfen die Lebensmittel wegen erhöhter Gefahr der Lebensmittelvergiftung nicht mehr verzehrt oder verkauft werden (§ 7 Abs. 4 LKMV).

Fehlende Datumsanzeige:

Findet man auf Lebensmitteln gar kein Datum, liegt nicht etwa ein Fehler vor. Es handelt sich dabei um frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse oder Waren mit äußerst langer Haltbarkeit wie hochprozentiger Alkohol (keine Creme- oder Fruchtliköre), Salz oder Zucker.

Die eigenen Sinne einsetzen

Natürlich kann man sich an die gesetzlich vorgeschriebenen Fristen halten. Doch passiert es in jeder Küche immer wieder, dass Lebensmittel in Vergessenheit geraten und erst nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums wieder ans Tageslicht gelangen. Die Option Müll ist dabei nicht immer die Klügste, denn es gibt einige Kniffe, wie man mit Augen, Nase und Zunge schnell herausfindet, ob man den vergessenen Joghurt nicht vielleicht doch noch essen kann, ohne sich den Magen zu verderben.

Frische Lebensmittel - Käuferportal

Der erste große Irrtum liegt tatsächlich im richtigen Verstehen des Begriffes „Mindesthaltbarkeitsdatum“. Die Betonung muss auf dem Wortteil „Mindestens“ liegen, doch in vielen Köpfen ist die Denke verankert, dass das endgültige Datum des Verzehrs beschrieben wird und der Joghurt auch nur einen Tag danach nicht mehr zu genießen ist. Das führt dazu, dass die Deutschen viel zu oft unnötig die Mülltonnen füllen. Bis zu 230€/Jahr wirft jeder im Durchschnitt an Lebensmitteln weg. Doch diese Verschwendung muss nicht sein!

Mindesthaltbarkeitsdatum bei Lebensmitteln besser verstehen (SWR | Youtube.com)

Hier ein paar einfache Tipps, was Sie wegschmeißen müssen und was nicht:

  • Milchprodukte und Eier sind noch wenige Tage nach Ablauf genießbar
  • Nudeln, Reis, Kaffee und Mehl sind noch Monate danach zu verwerten. Voraussetzung: Die Lebensmittel wurden gut verschlossen, trocken und dunkel gelagert.
  • Schimmel auf den Lebensmitteln: Bei Produkten wie trocken gelagerter Hartkäse, luftgetrocknete Wurst/Schinken oder Konfitüre reicht es, die betroffene Schimmelstelle großzügig zu entfernen. Handelt es sich um Produkte wie Quark/Joghurt, Saft, Obst, Gemüse, Brot, Frischwurstwaren/Aufschnitt oder Nüsse: Weg damit!
  • Riecht das Lebensmittel untypisch oder schmeckt gar anders als gewöhnlich, dann entsorgen Sie es lieber. Aber oft hilft vor dem Geschmackstest die Neutralisation der Nase, denn die spielt dem Geschmackssinn oft einen Streich.
  • Bei kritischen Lebensmitteln wie Hackfleisch, Geflügel oder Fisch hilft nur eins nach Ablauf des Verbrauchdatums: Wegwerfen! Ansonsten besteht die Gefahr einer Salmonellenvergiftung. Das gilt auch bei falscher Lagerung, denn diese Produkte sind sehr anfällig. Achten Sie darauf, dass der Kühlschrank eine Temperatur von 4-7 Grad Celsius hat, um sicherzugehen, dass die Lebensmittel nicht vorzeitig verderben.
  • Gewölbte Konservendeckel: Grundlegend sind Konserven „ewig“ haltbar. Bei einem gewölbten Deckel allerdings ist Vorsicht geboten, denn das ist ein Hinweis auf Keimbefall im Inneren der Dose.
  • Schlieren: Befinden sich beispielsweise im Fruchtsaft Schlieren, dann gärt dieser bereits und Sie laufen Gefahr sich den Magen zu verderben. Kippen Sie den Saft lieber weg.
  • Bei faulen Stellen an Obst oder Gemüse, gilt die Regel: Enthält das Obst oder Gemüse viel Wasser, reicht das Wegschneiden fauler Stellen nicht, da das Lebensmittel verdorben ist. Bei relativ trockenem Gemüse, wie einem Kohlkopf, ist es jedoch ausreichend, entsprechende Stellen großzügig zu entfernen.

Der perfekt geplante Einkauf und die richtige Lagerung verhindert volle Mülltonnen

Es klingt einfacher als es ist, doch ein gut geplanter Einkauf ist das beste Mittel, um die eigene Küche vor zahlreich abgelaufenen Lebensmitteln zu schützen. Nehmen Sie sich die Zeit und überlegen Sie sich genau, was alles benötigt wird. Und sollte tatsächlich etwas fehlen, kann das heutzutage problemlos an fast jeder Ecke schnell nachgekauft werden. Aber fast noch wichtiger als ein perfekt durchorganisierter Einkaufszettel ist die richtige Lagerung. Hier einmal die wichtigsten Regeln im Überblick:

  • Obst: Kommt es in den Kühlschrank oder nicht? Lagern Sie nur heimisches Obst im Kühlschrank, getrennt von Gemüse in der untersten Schublade. Die Exoten müssen draußen bleiben. Gleiches gilt für das deutsche Standardobst, den Apfel. Diese sondern nämlich das Gas Ethylen aus und fördern so den Reifeprozess anbei gelagerter Obst- und Gemüsesorten.
  • Gemüse: Grundlegend kommt Gemüse lichtgeschützt in den Kühlschrank, damit es lange frisch bleibt. Das zählt allerdings nicht für Auberginen, Tomaten, Kürbisse und Kartoffeln. Eigenheimbesitzer mit einem kühlen Keller können dort ihre Nachtschattengewächse & Co. lagern.
  • Milch/Käse/weitere Milchprodukte: Egal um welches Produkt es sich handelt, es gehört alles in den Kühlschrank. Versuchen Sie, die Unterbrechung der Kühlkette so kurz wie möglich zu halten.
  • Wurst/Fleisch: Lagern Sie diese Produkte ganz unten, denn da ist es am kühlsten. Verwahren Sie das Fleisch auch immer in einer luftdichten Verpackung, um die Verbreitung von Fremdgerüchen zu verhindern.
  • Eier/Butter: Keine Frage, das gehört auch in den Kühlschrank.
  • Brot: Für eine längere Lagerung empfiehlt sich ein Brotkasten, der nicht lichtdurchlässig ist. Bei schnellem Verzehr reicht es aus, wenn das Brot in der Bäckertüte bleibt. Lagern Sie das Brot nur nicht im Kühlschrank. Durch die Kälte gibt es zu viel Wasser ab und wird trocken und steinhart.
  • Einfrieren: Viele Lebensmittel können problemlos eingefroren werden, wie beispielsweise Fisch/Fleisch, Brot, rohes Gemüse oder Butter mit höherem Fettanteil.

Mit diesen einfachen Tricks kann jeder Haushalt eine enorme Menge an Geld und Müll sparen. Gerade für die Umwelt ist es von großer Bedeutung, die Müllproduktion auch durch solch kleine Dinge immer so gering wie möglich zu halten. Wer also ab sofort seinen Einkauf gut durchdacht angeht und abgelaufene Lebensmittel testet, bevor sie weggeschmissen werden, hat jährlich 230€ für das eigene Vergnügen übrig, eine Küche, in der die Schränke vor Lebensmittel nicht überquellen und zusätzlich noch etwas für die Umwelt getan. Klingt nach einer Win-Win-Situation.

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