Varianten der Biomüllverwertung

Kompost mal anders – umweltbewusste Kompostierung in der Küche

28.10.2014 11:56:55

Je nach Bundesland unterscheidet sich der Umgang mit anfallendem Biomüll. Einige Länder haben Biotonnen eingeführt, andere entsorgen die Bioabfälle im Restmüll. Ab 2015 wird die Biotonne zur Pflicht. Wir zeigen Ihnen komfortable Kompost-Systeme für die Küche und den Garten und geben hilfreiche Tipps rund ums Kompostieren.

Kompostieren mit Köpfchen

Möglichkeiten zur Kompostierung gibt es viele. Vor allem für Hausbesitzer, die auch einen Garten ihr Eigen nennen, bietet sich ein Kompost an. Aber auch zur platzsparenden Alternative in der Wohnung oder auf dem Balkon gibt es bereits einige Systeme. Eine 2012 durchgeführte Studie der Universität Stuttgart hat gezeigt, dass Gemüse- und Obstreste einen Großteil der Speiseabfälle ausmachen.

lebensmittelabfälle

Gemüse- und Obstabfälle fallen häufig an und lassen sich leicht kompostieren

Kein Garten? – Alternativen für die Wohnung

Auch für das Hausinnere gibt es praktische Lösungen, Biomüll zu entsorgen. Aber Vorsicht! Personen, die auf Schimmelpilze allergisch reagieren oder die ein geschwächtes Immunsystem haben, sollten auf eine Kompostierung in der Wohnung verzichten. Bioabfall sollte in diesen Fällen möglichst rasch aus der Küche entfernt werden. Wir zeigen Ihnen die besten Möglichkeiten für eine Kompostierung direkt in der Küche.

 Bokashi – geruchsfreie Kompostierung direkt in der Küche

Ursprünglich kommt der Bokashi-Kompost aus Japan. Das Funktionsprinzip ist schnell erklärt: In einem luftdichten Behälter wird ein Säuerungsprozess in Gang gesetzt. Dieser wird durch das Aufstreuen eines Mikroorganismen-Ferments beschleunigt. In der Regel dauert die Zersetzung von Bioabfällen etwa zwei bis drei Wochen. Auch im Gebrauch ist der kleine Komposter äußerst unkompliziert und platzsparend. Er eignet sich daher optimal für die Verwendung in der Küche. Wer eine Geruchsbelästigung durch den Komposter befürchtet, kann beruhigt sein. Durch das aufgestreute Ferment entsteht nur ein leicht säuerlicher, aber aromatischer Geruch.

bokashi

Der Bokashi macht eine geruchsfreie Kompostierung in der Wohnung möglich

 

Eingefüllt werden darf hier auch, was auf dem „herkömmlichen“ Kompost verboten ist, wie etwa gekochtes Fleisch, Fisch oder Milchprodukte. Nach kurzer Zeit verwandelt sich der Kompost zu Humus und kann nach wenigen Wochen aus dem Bokashi entnommen werden. Verwender müssen während des Prozesses darauf achten, das Sickerwasser abzulassen.

Tipp der Redaktion

.Bokashi-Komposter sind für rund 70 Euro im Doppelpack beispielsweise über amazon.de erhältlich. Ein Kilogramm Ferment kostet circa 15 Euro.
Britta Haas

 Kleiner Bauernhof in der eigenen Küche – Parasite Farm

Wer einen eigenen Garten hat, kann nach Lust und Laune Gemüse- oder Kräuterbeete anlegen. Stadtbewohner müssen in dieser Hinsicht meistens etwas erfinderischer sein. Genau an diese Zielgruppe richtet sich die Idee der sogenannten Parasite Farm. Mit einer speziellen Box können Küchen- und Bioabfälle gesammelt und zu Humus verarbeitet werden. Der daraus gewonnene Dünger kann direkt in der Box zum Anbau eigener Produkte genutzt werden.

obstabfälle in der küche

Obst- und Gemüseabfälle können auch in der Küche kompostiert werden

Die Oberseite der Kompostkiste besteht aus einem verschiebbaren Schneidebrett von dem die Gemüsereste direkt in die Box geschoben werden können. Mikroorganismen und Würmer sorgen im unteren Bereich für eine schnelle und geruchsfreie Zersetzung der Bioabfälle. In der integrierten und mit speziellen Lampen beleuchteten Pflanzbox, die sich in ein Regal einhängen lässt, kann ein eigenes Gärtchen angelegt werden. Die Box verfügt auch über eine eingebaute Fliegenfalle. Bislang existiert die hauseigene Farm jedoch nur als Prototyp.

Die Wurmkiste als praktischer Indoor-Komposter

Eine Wurmkiste in der Küche hört sich für viele Haus- oder Wohnungsbesitzer zunächst befremdlich an. Tatsächlich funktioniert diese Art des Kompostierens aber in der Wohnung am besten, da es dort warm und trocken ist. Durch die atmungsaktive Bauweise kann Sauerstoff bis ins Innere der Kiste gelangen. So wird eine geruchsneutrale Zersetzung ermöglicht. Passende Wurmkisten sind für rund 40 Euro online oder im Fachhandel erhältlich. Sie können die praktischen Boxen aber auch mit wenigen Handgriffen selbst herstellen. Dazu benötigen Sie drei gleich große Holzkisten, die sich einfach stapeln lassen.

Aufbau der Wurmkisten:

  • Schritt 1: Ganz unten wird die geschlossene Kiste platziert. Sie fängt am Ende den fertigen Humus auf.
  • Schritt 2: Anschließend platzieren Sie darauf die zweite Kiste mit Löchern an der Unterseite. Legen Sie den Boden mit Zeitungspapier aus und streuen Sie etwa 10 Zentimeter hoch gut durchfeuchtete Erde ein.
  • Schritt 3: Basteln Sie für die obere Kiste einen gut sitzenden, aber nicht zu fest schließenden Deckel. So wird der notwendige Luftaustausch gewährleistet.

Im Anschluss können Sie die Kiste mit Kompostwürmern besiedeln. Erhältlich sind die Kompostbewohner online für rund 30 Euro pro Kilogramm, zum Beispiel über shop.strato.de. Zur Kompostierung von einem Kilogramm Bioabfall täglich benötigen Sie zwei Kilogramm Würmer. Wenn die obere Kiste voll ist, können Sie die zweite Box darüber stapeln. Die Würmer wandern dann automatisch nach oben zum Futter. Graben Sie das obere Futter immer leicht unter, um Fruchtfliegen zu vermeiden. In die Kiste können sämtliche Küchenabfälle gefüllt werden. Lediglich auf die Zugabe der Schalen von Zitrusfrüchten sollten Sie verzichten. Die optimale Temperatur liegt bei etwa 20 Grad Celsius. Die Wurmkiste kann auch auf dem Balkon oder der Terrasse platziert werden.

alternativer kompost

Kompostwürmer sind nützliche Helfer bei der Verwertung von Bioabfällen

Komposter mit Steckdosenanschluss

Für Personen, die es bei der Biomüll-Verwertung besonders eilig haben, eignet sich eine neuartige Version des Kompostierens: Ein speziell entwickeltes Gerät verarbeitet Bio-Abfall innerhalb weniger Stunden zu Kompost. Entworfen wurde der elektrische Komposter von der Firma Food Cycle Science aus den USA. Mit einem Preis von etwa 300 Euro plus Stromkosten ist der Betrieb allerdings nicht ganz so preisgünstig wie ein herkömmlicher Komposter. Die Funktionsweise beruht auf dem Bokashi-Prinzip. Der organische Abfall wird in das Gerät eingefüllt und auf etwa 80 Grad Celsius erhitzt.

Effizientes Kompostieren mit Schnell- oder Thermokompostern

Falls der Platz für einen richtigen Komposthaufen fehlt, können organische Abfälle auch in Schnell- oder Thermokompostern zu wertvollem ökologischem Dünger verarbeitet werden. Durch den Deckel entsteht im Innern des Komposters Wärme von bis zu 70 Grad Celsius. Der Zersetzungsprozess ist so zwei bis dreimal schneller als in einem offenen Komposter.

thermokomposter

Ein Thermokomposter sorgt für eine schnelle Kompostierung

Die geschlossenen Modelle sind im Baumarkt ab etwa 25 Euro erhältlich. Organischer Abfall reift hier besonders schnell zu wertvollem Humus heran. Allerdings sollte auf eine ausreichende Durchmischung mit trockenem Material geachtet werden, sonst besteht die Gefahr, dass die Abfälle im Komposter faulen, anstatt zu wertvollem Humus zu werden.

Schwenktonne

Für Eigenheimbesitzer, die einen eigenen Garten zur Verfügung haben, aber dennoch keinen herkömmlichen Komposthaufen anlegen wollen, eignet sich der Betrieb einer Schwenktonne. Die organischen Abfälle werden sehr gut belüftet und verwandeln sich schneller in Humuserde. Vorausgesetzt, die Tonne wird regelmäßig gedreht: Im Idealfall einmal am Tag!

So kompostieren Sie richtig

Ob innerhalb oder außerhalb der Wohnung – egal welche Art der Kompostierung Sie nutzen, sollten Sie ein paar wichtige Faustregeln beachten:

  • Zerkleinern Sie die Abfälle stets so gut wie möglich. So können diese leichter zersetzt werden.
  • Achten Sie darauf, den Kompost immer gut zu durchmischen, das beschleunigt die Kompostierung und verhindert unangenehme Gerüche.
  • Stellen Sie sicher, dass der Kompost auch genügend Luft erhält.
  • Regelmäßiges Auflockern verhindert, dass sich Fruchtfliegen auf Ihrem Kompost niederlassen.
  • Der Kompost sollte nicht zu feucht sein. Im schlimmsten Fall kann dadurch Fäulnis und Schimmelbildung begünstigt werden.
  • Auch extreme Trockenheit schadet dem Zersetzungsprozess. Die Mikroorganismen, die die Abfälle zersetzen, brauchen ein gewisses Maß an Feuchtigkeit.
ideale schichtung

Auch ein Kompost braucht die richtige Pflege

 

Vorteilhaftes Kompostieren

Mit einem Komposter lässt sich die Müllmenge, die im eigenen Haushalt anfällt, deutlich reduzieren. Nebenbei gewinnt man noch wertvollen Humus für den eigenen Garten oder kleine Pflanzprojekte. Der Betrieb eines Komposters reduziert nicht nur das Müllvolumen, sondern leistet auch einen Beitrag zum Umweltschutz. Der Aufwand hält sich dabei relativ gering und für die Nutzung ist nicht immer ein eigener Garten notwendig: Clevere Kompostsysteme lassen sich auch auf dem Balkon oder direkt in der Küche der eigenen Wohnung betreiben!

 

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