Gestaltungsmöglichkeiten beim Hausbau

Fertighausplanung – Hier haben zukünftige Hausbesitzer Mitspracherecht

19.08.2014 16:56:06

Bauherren haben bereits bei der Planung und Gestaltung ihres zukünftigen Eigenheims ein entscheidendes Mitspracherecht. Das Vorurteil, Fertighäuser können nicht individuell gestaltet werden, hält sich dennoch hartnäckig. Wir zeigen Ihnen, welche Planungsentscheidungen beim Bau eines Fertighauses auf Sie zukommen und wo Sie bei der Innenausstattung mit der richtigen Entscheidung und Eigenleistungen Geld sparen können.

HerstellerauswahlHerstellerauswahl

Noch vor der eigentlichen Hausbauplanung steht die sorgfältige Auswahl des Baupartners. Vorab kann es für Bauherren hilfreich sein, Musterhausparks verschiedener Anbieter zu besuchen. Alternativ können Sie sich auf den Webseiten der Hersteller zu den angebotenen Häusern informieren. Bei der Suche nach dem passenden Anbieter hilft Ihnen Käuferportal mit der Vermittlung von drei kostenlosen und unverbindlichen Angeboten von Herstellern in Ihrer Region. Die folgenden Entscheidungen kommen unter anderem auf Sie zu, sobald Sie einen Anbieter Ihres Vertrauens gefunden haben.

EigenleistungWie viel Eigenleistung will ich beim Bau erbringen?

Je nach gewünschter Eigenleistung können Bauherren bei der Hausbauplanung zwischen verschiedenen Ausbaustufen wählen. Die meisten Fertighausanbieter stellen zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Oft gibt es aber auch verschiedene Zwischenstufen. Die darin enthaltenen Leistungen definiert jeder Hersteller selbst. In der Regel stehen das sogenannte Ausbauhaus und das schlüsselfertige Haus zur Auswahl.

Tipp der Redaktion

Versuchen Sie realistisch einzuschätzen, wie Ihre Kenntnisse und handwerklichen Fähigkeiten in den verschiedenen Bereichen des Hausbaus sind. Entscheiden Sie anhand dieser Überlegung, ob und wie viel Eigenleistung Sie erbringen können und möchten. Viele Bauherren überschätzen ihre Eigenleistung und die Bauphase zieht sich dadurch unnötig in die Länge und kostet wertvolle Zeit und Nerven, aber auch bares Geld.
Bernd Heinrichs

Ausbauhaus:

Hier muss der Innenausbau entweder ganz oder zumindest in Teilen vom Bauherren selbst übernommen werden. Es verbirgt sich zwar Sparpotenzial, allerdings stellt der eigene Ausbau einen erheblichen Zeitfaktor dar. Nicht zuletzt müssen Bauherren das nötige Maß an handwerklichem Geschick mitbringen, um mit ihrem Innenausbau auch bei der Abnahme durch das Bauordnungsamt zu bestehen. Die Wasser- und Strominstallationen müssen außerdem von einem Meisterbetrieb freigegeben werden. Wer also plant, sich selbst um die Verlegung von Fußböden, das Malern und Tapezieren sowie notwendige Installationen zu kümmern, sollte diese Schritte vorher in die Bauzeit mit einplanen.

Schlüsselfertiges Haus:

Ein schlüsselfertiges Haus wird in der Regel mit allen bereits getätigten notwendigen Baumaßnahmen übergeben. Auch der Innenausbau wird vom Anbieter ausgeführt. Allerdings unterscheidet sich die Leistung, die mit dem Begriff „schlüsselfertig“ einhergeht, von Anbieter zu Anbieter. Prüfen Sie daher im Vorfeld genau, welche Leistungen enthalten sind und welcher Herstellungsgrad von Ihrem Anbieter bei einer schlüsselfertigen Bauweise geliefert wird.

Fertighaus Bauprozess bei Haas Haus | Haas Haus (Youtube.com)

 

HausbautypWelcher Haustyp ist der richtige für Sie?

Vorab sollten Sie sich darüber Gedanken machen, welcher Haustyp für Sie infrage kommt. Dementsprechend können Bauinteressenten in einem ersten Schritt bei verschiedenen Anbietern zwischen unterschiedlichen Bauformen wählen. Zur Auswahl stehen in der Regel klassische Einfamilienhäuser mit anderthalb bis zwei Stockwerken, Bungalows zum Wohnen auf einer Ebene, Stadtvillen für eine exklusive Wohnform aber auch Doppelhaushälften oder Häuser im reduzierten Bauhaus-Stil.

Haustypen

Je nach gewünschtem Haustyp erstellt der Architekt einen Entwurf

 

Mitbestimmung beim GrundrissMitbestimmung bereits beim Grundriss

Bereits bei der Grundrissplanung können zukünftige Bauherren ihre Vorstellungen einfließen lassen. Bei diesem Schritt plant ein Architekt zusammen mit dem zukünftigen Eigenheimbesitzer den Entwurf des Hauses im Maßstab 1:100 und bringt die optische Vorstellung des Auftraggebers mit funktionalen und statischen Aspekten zusammen. Hier können Sie auch die Form Ihres Hauses festlegen. Außerdem können Sie planen, wo Sie Wände und Fenster platzieren möchten, wie die genaue Raumaufteilung und die Größe der einzelnen Räume ausfallen sollen. Im Zuge der Grundrissplanung legen Sie mit dem Architekten zudem die Anzahl der Wohnräume und die genaue Wohnnutzfläche fest. Auch ob eine Garage ans Haus angeschlossen werden soll, wird hier festgelegt. Anschließend wird der Entwurf vom Architekten als Genehmigungsplanung erstellt und beim Bauamt eingereicht.

Tipp der Redaktion

Erstellen Sie im Vorfeld des Treffens mit dem Architekten selbst eine Skizze der Grundrissplanung. Achten Sie dabei auch auf funktionale Aspekte. Bei der Erstellung kann Ihnen ein Grundriss-Konfigurator helfen, den viele Hersteller, zum Beispiel ProHaus, anbieten. Hier können Bauinteressenten bereits austesten, wie ihr zukünftiges Haus aussehen soll. Nutzer können hier aus verschiedenen Grundrissen wählen, Materialien bestimmen sowie Wände und Fenster platzieren. Neben der Grundriss-Ansicht können auch Schnappschüsse im 2-D und 3-D-Format erstellt werden.
Bernd Heinrichs
Grundriss prüfen

Der Grundriss wird nach den Wünschen der Bauherren erstellt und anschließend von Statikern und Architekten geprüft

 

Dachform des HausesWelche Dachform soll Ihr Traumhaus haben?

Im Zuge der Bauplanung können Bauherren auch das Aussehen und die Form des Daches bestimmen. Zur Auswahl stehen das Flachdach, das Mansardendach, ein herkömmliches oder versetztes Pultdach, Satteldächer oder Walmdächer aber auch individuelle Dachformen. Ein Berater Ihres Baupartners steht Ihnen bei der Entscheidung mit Rat und Tat zur Seite und kann Empfehlungen aussprechen, welches Dach besonders gut zu Ihrem Traumhaus passt.

Dachform

Bei der Auswahl der Dachform haben Fertighausbauer eine große Auswahl

 

Tipp der Redaktion

Überdenken Sie bei der Dachauswahl auch, ob Sie eventuell später noch Ausbauarbeiten vornehmen wollen. Mit einem Walm- oder Satteldach halten Sie sich diese Option für einen späteren Zeitpunkt offen!
Bernd Heinrichs

EnergieWelche energetischen Kriterien soll Ihr Eigenheim erfüllen?

Ökologisch gesehen erfüllen Fertighäuser bereits höchste Standards. Allerdings kann auch hier vom Bauherrn mitbestimmt werden, welche Energieklasse das künftige Eigenheim besitzen soll. Die Wärmedämmung reicht von den verschiedenen Effizienzhausstufen bis hin zum Passivhaus. Dieses kommt durch seine hervorragende Wärmedämmung fast ohne Heizenergie aus und muss lediglich während der langen Winterperioden auf Zusatzheizenergie zurückgreifen. Welche Effizienzstufe für Sie die richtige ist, können Sie gemeinsam mit einem Berater Ihres Baupartners herausfinden.

Energieeffizienzstufe von Fertighäusern

Mit der richtigen Energieeffizienzstufe lassen sich langfristig Heizkosten einsparen; Quelle: Deutsche Energie Agentur GmbH (dena)

 

HeiztechnikWelche Heiztechnik möchten Sie nutzen?

Viele Fertighausanbieter setzen auf alternative Energiegewinnung und haben verschiedene Methoden zur Energie- und Wärmegewinnung im Programm. Bei der Hausbauplanung können sich Bauherren umfassend zu den verschiedenen Techniken beraten lassen und das zu ihnen passende Heizmodell auswählen. Die Liste der angebotenen Heizmethoden ist lang.

  • Wärmepumpen (Luft-Wasser-Wärmepumpen, Sole-Wasser-Wärmepumpen, Wasser-Wasser-Wärmepumpen, Luft-Luft-Wärmepumpen)
  • Pelletheizungen
  • Solarenergie (Solarthermie, Photovoltaik)
  • Belüftung und Entlüftung mittels Wärmerückgewinnung
  • Gas-Brennwert-Technik

Die restliche Planung muss häufig auf die gewählte Heizenergie abgestimmt werden. Entscheiden sich zukünftige Eigenheimbesitzer zum Beispiel dafür, Solarenergie zu nutzen, muss sowohl die Ausrichtung des Hauses als auch die Dachform für einen hohen Ertrag sinnvoll ausgewählt werden. Als Dachform eignet sich dann ein Pultdach bestens, die Ausrichtung sollte idealerweise südlich sein.

GesundheitBestehen besondere gesundheitliche Anforderungen an Ihr Eigenheim?

Vor allem bei Allergikern und Personen, die empfindlich auf Baustoffe reagieren, sind Fertighäuser beliebt. Allergiker können zum Beispiel direkt bei der Hausbauplanung im Vertrag mit dem Baupartner die Verwendung bestimmter Baustoffe ausschließen. Da beim Fertighausbau alles aus einer Hand kommt, lassen sich Allergierisiken leichter ausschließen. Seriöse Fertighausanbieter verarbeiten ausschließlich geprüfte und hochwertige Baustoffe, die auf ihre Verträglichkeit geprüft sind. Als Grundbaustoff wird Holz genutzt.

ALLÖKH SiegelViele Hersteller bieten auf Wunsch des Kunden sogar den Bau spezieller Allergikerhäuser an, die den ALLÖKH-Kriterien entsprechen. Weitere Informationen zum Thema „Gesunde Hausbauplanung“ finden Sie hier.

AußengestaltungIndividuelle Außengestaltung

Auch bei der Festlegung der Außenfassade und der äußeren Gestaltung generell haben Bauherren volles Mitspracherecht. Dachform, Erker oder ein Balkon. Auch Fenster und Türen bestimmen die äußere Erscheinung Ihres Eigenheims mit und sollten in diesem Schritt nach optischen und funktionalen Faktoren bedacht ausgewählt werden. Je nach Budget können zusätzliche Elemente eingeplant werden. In diesem Schritt können Sie auch entscheiden, ob die Fassade zusätzlich einen funktionalen Aspekt erfüllen soll. Sie können unter anderem aus folgenden Fassadengestaltungen wählen:

  • Putz
  • Holzfassade
  • Fassadenplatten
  • Holzschalung
  • Aluminium
  • Solarkollektoren

Auch die Farbgestaltung der Fassade können Bauherren nach individuellen Wünschen gestalten lassen. Je nach Farbkonzept wird dafür in der Regel ein Aufpreis fällig.

Farbwahl der Fassade

Bei der Farbwahl der Fassade sind den Vorstellungen der Bauherren keine Grenzen gesetzt; Quelle: Deutsches Lackinstitut

 

InnenausstattungBei der Innenausstattung selbst anpacken?

Bei der Planung der Innenausstattung verbirgt sich Sparpotenzial. Wenn sich Bauherren dafür entscheiden, beim Bau ihres Fertighauses den Innenausbau in Eigenleistung zu übernehmen, fällt die Rechnung des Baupartners entsprechend niedriger aus. Allerdings gelingt der erfolgreiche Ausbau nur mit dem entsprechenden handwerklichen Know-how. Eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung mit rund 2.000 Teilnehmern ergab, dass besonders junge Menschen ihr Eigenheim selbst ausbauen wollen.

Umfrage zum Eigenausbau

Besonders junge Bauherren wollen den Innenausbau in Eigenleistung durchführen; Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung

Alternativ können Arbeiten wie etwa das Verlegen von Bodenbelägen oder das Anbringen der Wandfarbe auch nach den Wünschen des Bauherren vom Anbieter durchgeführt werden. Einige Fertighaushersteller bieten auch spezielle Ausbaupakete an, die die zum Ausbau benötigten Materialien enthalten. Als Faustregel gilt: Je intensiver die Ausbaustufe, desto höher die Kosten für das Haus! Beim Innenausbau denken auch viele junge Bauherren bereits an einen späteren altersgerechten Umbau und setzen daher auf eine barrierefreie Gestaltung, die sich später kostengünstiger und einfacher an eine eingeschränkte Mobilität anpassen lässt. Dazu gehören unter anderem moderne, ebenerdige und großzügige Duschen oder breite Treppenaufgänge bei mehrstöckigen Häusern.

Tipp der Redaktion

Planen Sie Ihren Hausbau mit allen eventuellen Eigenleistungen von Beginn an sogfältig durch. Besonders beim Bau eines Fertighauses sind nachträgliche Änderungen in der Regel schwierig oder gar nicht mehr umzusetzen. Falls Sie unsicher sind, sollten Sie daher Sanitär- und Elektroarbeiten in jedem Fall von einem Fachbetrieb durchführen lassen und die Eigenleistung auf einfache Arbeiten wie Malern oder Tapezieren beschränken.
Bernd Heinrichs

EinbautenSollen die Einbauten schon vorhanden sein?

Viele Fertighaushersteller unterhalten Partnerschaften mit bekannten Markenherstellern von Einbauten wie Küchen, Sanitäranlagen oder Elektrogeräten. Bauinteressenten können sich bereits bei der Bauplanung innerhalb der Angebotspalette beispielsweise die passende Küchen- oder Badezimmerausstattung aussuchen, die dann vom Baupartner eingebaut wird. Wenn Sie die Planung und den Einbau selbst übernehmen, lässt sich im Regelfall auch hier mit Eigenleistung und einem intensiven Preisvergleich noch einmal Geld einsparen.

Individueller Hausbau

Grundsätzlich hat der Bauherr bei der Planung seines Fertighauses vom Grundriss bis zur Innenausstattung freien Spielraum, seine Vorstellungen durchzusetzen. Je intensiver die Leistungen des Baupartners sind, desto höher sind die Kosten für den zukünftigen Hausbesitzer. Und je individueller Ihre Wünsche sind, desto mehr Budget muss auch für die Realisierung Ihres Eigenheims eingeplant werden. Mit Eigenleistung können Sie kräftig sparen. Hier ist jedoch unbedingt eine genaue Planung erforderlich, da Änderungen im Nachhinein nur schwierig umzusetzen sind.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading...Loading...