Gesundes Wohnen

Allergien: Was Sie bei der Hausbauplanung beachten sollten

28.04.2014 15:22:25

Das eigene Zuhause sollte eine Wohlfühloase sein, die Schutz bietet und in der wir uns entspannen können – Die Gesundheit seiner Bewohner sollte es in keinem Fall gefährden! Personen, die zu allergischen Reaktionen neigen und ein Eigenheim planen, sollten besonders bei der Bauweise sowie bei der Auswahl von Baustoffen und Farben besondere Vorsicht walten lassen. Aber auch andere Faktoren können das Allergierisiko verringern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie bei der Hausbauplanung das Allergierisiko mindern.

Von Grund auf durchdacht – Die Grundstücksauswahl

HausbauplanungBereits bei der Auswahl des Grundstücks oder beim Kauf der Wohnung können Allergiker vorbeugen. Im Vorfeld kann ein Arzt klären, ob einzelne Familienmitglieder auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren. Das Grundstück sollte, je nach Art der Allergie, nicht an stark blühenden Wiesen, Industriegebieten mit schadstoffbelastetem Boden, verkehrsstarken Gegenden oder Wäldern mit einer für den Allergiker kritischen Vegetation liegen. Die nahe Lage zu Mooren kann eine stark schimmelbelastete Außenluft begünstigen.

 

Allergieauslösende Umgebung

 

Ein Baubiologe kann bereits bei der Planungsphase des Eigenheims beratend zur Seite stehen. Er informiert Sie zu möglichen Risiken und gibt wichtige Tipps auf dem Weg zu einem allergiefreien Zuhause. Die Beratungspreise unterscheiden sich je nach angebotener Leistung. Grob kann für den Einsatz eines Baubiologen mit einem Stundensatz von etwa 100 Euro gerechnet werden.

Tipp der Redaktion

Lassen Sie im Zweifelsfall ein Bodengutachten erstellen. Es gibt Aufschluss über eventuell im Boden vorhandene Schadstoffe wie Erdöl oder bestimmte Chemikalien. Die Kosten für ein solches Gutachten belaufen sich in der Regel auf 2.000 bis 2.500 Euro.
Bernd Heinrichs

Vorrausschauende Planung

Auch ein Architekt kann bei der Bauplanung vorbeugende Maßnahmen für Allergiker treffen. Wenn Sie auf Pollen allergisch reagieren, kann es sinnvoll sein, beim Hausbau einen Vorraum einzuplanen, um dort bereits die Kleidung wechseln zu können. So gelangen während der Allergiephasen weniger Pollen über die Kleidung ins Haus. Das erleichtert das Schlafen, da sich die Pollen nicht in der Bettwäsche festsetzen können.
Auch Türen, die sich automatisch und schnell schließen, reduzieren die Belastung durch Pollen. Im Eingangsbereich ist zudem ein Windfang mit einem angeschlossenen Waschraum hilfreich.

Tipp der Redaktion

Sollten Sie über eine Heimsauna verfügen, können Sie darin von Zeit zu Zeit Bettdecken, Matratzen und Kopfkissen auf über 60 Grad Celsius erhitzen und so Milben abtöten.
Bernd Heinrichs

Allergikerfreundliche Haustechnik nutzen

Auch bei der Heizungs- und Lüftungsplanung können Allergiker Vorkehrungen treffen: Spezielle Lüftungsanlangen mit einem eingebauten Pollenfilter oder ein zentral eingebauter Staubsauger, der Allergene und Staub komplett aus dem Haus entfernt, minimieren die Hausstaubbelastung zusätzlich. Die meisten Zuluftfilter sind für eine Wandstärke von 25 bis 58 cm geeignet und können somit auch an nachträglich gedämmte Außenwände mit einer dickeren Wandstärke angebracht werden.

Lüftungsanlage

Eine Lüftungsanlage mit integriertem Pollenfilter verhindert, dass Pollen und Staub bei der Lüftung ins Haus gelangen

 

Bei der Installation von Allergieschutz-Haustechnik sollten Sie einige Faustregeln beachten:

  • Lassen Sie die Anlagen von einem Fachmann planen und installieren
  • Achten Sie darauf, dass Filter und Ventilatoren für die spätere Wartung gut zugänglich sind
  • Eine richtig eingestellte Anlage sollte zugluftfrei arbeiten
  • Achten Sie darauf, dass sich die Anlage bedarfsgerecht regeln lässt
  • Fordern Sie nach der Installation eine umfassende Einweisung in die Anlage ein

Sorgfältige Auswahl schadstoffarmer Baumaterialien

Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Auswahl der Baustoffe gelegt werden. Auch hier gibt eine eingehende ärztliche Beratung einen ersten Überblick, auf was Sie bei der Materialwahl achten müssen. Generell sollten schadstoffarmen Baumaterialien verwendet werden. Wenn möglich sollten Bodenbeläge, Teppiche, Kleber und Lacke frei von Lösemitteln, Weichmachern oder Formaldehyden sein. Bei Teppichböden eignen sich schadstoffarme Naturmaterialien wie Hanf, Jute oder Sisal.

Allergieauslösende Stoffe im Wohnraum

Neben Schimmel sind schadstoffbelastete Baumaterialien der häufigste Grund für Gesundheitsprobleme in den eigenen vier Wänden. Datenquelle: Ingenieurbüro Dornbach

Auch wenn Baumaterialien über Umweltsiegel verfügen, muss das nicht heißen, dass diese für Allergiker geeignet sind. Selbst Materialen, die als schadstoffarm eingestuft und mit einem Umweltkennzeichen wie etwa dem „Blauen Engel“ gekennzeichnet sind, können allergieauslösende Stoffe enthalten. Auf Nummer sicher gehen Sie bei schadstoffarme Baustoffen, die mit dem IBR-Prüfsiegel des Institutes für Baubiologie Rosenheim ausgezeichnet sind. Auch das „natureplus-Siegel“ kennzeichnet Produkte, die auf ökologische und gesundheitliche Verträglichkeit geprüft sind. Diese drei Siegel sollten Sie bei der Auswahl allergiefreier Baustoffe kennen:

Prüfsiegel

Der Blaue Engel, Nature Plus, IBR Prüfsiegel | www.blauer-engel.de, www.natureplus.org, http://www.baubiologie-ibr.de

 

Eine umfassende Beratung

Die Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene (EGGBI), ehemals Sentinel-Haus Stiftung e.V., bietet umfassende Bau- und Materialberatungen für allergiegeplagte Bauherren an. Einige Fertighausanbieter haben auch sogenannte „Allergiker-Häuser“ in ihr Sortiment aufgenommen. Allergiker-gerechte Öko-Häuser werden mit dem sogenannten „Allökh-Siegel“ ausgezeichnet und sind speziell auf die Bedürfnisse von Allergikern ausgerichtet. Auch hier sollte ein umfassendes ärztliches Gutachten im Vorfeld klären, ob die für Sie individuellen Allergieauslöser eingedämmt werden und sich Investition somit tatsächlich lohnt.

Effektive Baukontrolle

Die falsche Verarbeitung der Baumaterialien kann die Entstehung sogenannter „indirekter allergener Stoffe“ begünstigen. Diese biologischen Allergieauslöser wie gefährliche Schimmelpilze oder Hausstaubmilben sind der häufigste Grund für wohnraumbedingte Allergien und Krankheiten. Um ihrer Entstehung vorzubeugen, sollten Sie darauf achten, dass nicht bereits während der Bauphase Schimmelschäden entstehen.

Baustellen bieten einen idealen Nährboden für Schimmel, da sie über lange Zeit nicht vor Feuchtigkeit und Kälte geschützt sind und sich Schimmelsporen so leicht ausbreiten können. Bereits während des Innenausbaus sollte die Baustelle daher ausreichend belüftet und richtig beheizt werden, um teure Folgeschäden zu vermeiden. Wird der Schimmel während der Hausbauphase nicht entdeckt, bleibt er manchmal über Jahre hinweg unsichtbar und kann bei den Bewohnern gesundheitliche Schäden hervorrufen. Sollten Sie während der Bauphase Schimmelbefall feststellen, sollten Sie umgehend einen Sachverständigen hinzuziehen und den Bau erst nach der Beseitigung weiter führen. Die folgenden Punkte helfen Ihnen, Schimmelbefall beim Hausbau vorzubeugen:

Checkliste: Schimmelbildung in der Bauphase vorbeugen

  • Versuchen Sie, die Baustelle immer trocken zu halten
  • Achten Sie darauf, die Baustelle im Winter gut abzudecken
  • Eingedrungener Schnee oder Regenwasser sollten umgehend beseitigt werden
  • Kontrollieren Sie nach dem Winter die Wände und Böden auf Schäden durch Feuchtigkeit
  • Stoppen Sie den Bau sofort, wenn die Baustelle nass ist
  • Stellen Sie für die Trockenphasen eine ausreichende Lüftung sicher
  • Für den Fall, dass trocken beheizt wird: Lüften Sie ausreichend und in regelmäßigen Abständen
  • Führen Sie konsequent Stoßlüftungen durch und kippen Sie die Fenster nicht nur an
  • Trennen Sie gedämmte Bauabschnitte gut von nicht gedämmten Abschnitten ab und installieren Sie Bautüren

Gesund im eigenen Zuhause

Das Leben in einem gänzlich „allergiefreien Haus“ ist in den wenigsten Fällen möglich. Doch mit einer klugen Bauplanung und einer intensiven Beratung lassen sich die größten Gesundheitsbelastungen im Wohnraum deutlich verringern und sich langfristig in den eigenen vier Wänden wohlfühlen.

7 Schritte ins gesunde Eigenheim

Mit der optimalen Bauplanung fühlen sich Allergiker im Eigenheim richtig wohl.

Besprechen Sie alle Details mit Ihrem Hausbauplaner vor Ort. Käuferportal vermittelt Ihnen gerne den passenden Ansprechpartner und Anbieter bei Ihnen in der Nähe.

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