Mit Energieberatung sparen

So erkennen Sie Energiesparpotenziale

16.09.2014 15:27:32

Steigende Energiekosten bewegen immer mehr Eigenheimbesitzer dazu, ihren Energiebedarf zu überdenken. Unzureichend gedämmte Fenster erfordern umfassende Modernisierungs- oder Sanierungsmaßnahmen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie einen qualifizierten Energieberater für Ihr Vorhaben finden.

Die passende Energieberatung – keine einfache Wahl

Der Beruf des Energieberaters ist nicht geschützt und steht nicht am Ende einer klassischen Ausbildung. Dass sich im Grunde jeder „Energieberater“ nennen darf, gestaltet die Suche und die Auswahl für Verbraucher nicht gerade einfacher. Schließlich muss der Berater Sie unabhängig zur energetischen Sanierung beraten können und Ihnen bei Sanierungsmaßnahmen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Klarer Durchblick im Berater-Dschungel

Hausbesitzer, die auf der Suche nach einem Energieberater sind, wenden sich am besten an die entsprechenden Kammern, etwa die Industrie- und Handwerkskammern, regionale Energieagenturen oder Verbraucherzentralen. Diese bieten eine Weiterbildung für den Bereich der Energieberatung an, die mit einem anerkannten Abschluss endet.
Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem Energieberater, der in der sogenannten BAFA-Liste, vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, aufgenommen ist. Hier sind Energieeffizienz-Experten gelistet, die Anträge für Fördermittel stellen dürfen. Die Liste finden Sie online unter energie-effizienz-experten.de. Egal welcher Energieberater Sie beauftragen. Vor der Auswahl sollten Sie mit dem zukünftigen Berater Ihres Vertrauens ein unverbindliches Vorgespräch einplanen.

Tipp der Redaktion

In erster Linie sollte die Energieberatung den Hausbesitzer unabhängig informieren. Das heißt, dass das Interesse des Hauseigentümers im Vordergrund stehen muss!
Wenn Sie den Verdacht haben, dass der von Ihnen beauftragte Berater sich nicht an diese Maßgabe hält, sondern ein rein wirtschaftliches Interesse verfolgt, holen Sie sich am besten eine zweite Meinung ein. Hellhörig sollte man werden, wenn die Beratung eines Heizungsunternehmens sofort den Einbau einer neuen Heizung empfiehlt, oder wenn ein Dachdecker lediglich auf den Austausch des Dachs drängt. Im Zweifelsfall sollten Sie den Auftrag an einen Ingenieur oder Architekten mit der entsprechenden Weiterbildung erteilen. Da diese in der Regel kein Interesse am Verkauf eines bestimmten Produktes haben, kann hier eine neutrale Beratung vorausgesetzt werden.
Steffen Prokop

Energieberater – Westpol, WDR 22.04.2012 | energetrium (Youtube.com)

Die Aufgaben eines Energieberaters

Energieberater helfen Ihnen nicht nur mit wichtigen Informationen dabei, Energie einzusparen, sie überwachen auch die entsprechenden Maßnahmen zur energetischen Modernisierung oder Sanierung und stellen bei einem Neubau bestimmte energetische Anforderungen sicher. Ein Energieberater steht Ihnen unter anderem bei folgenden Fragen und Problemen zur Seite:

  • Beratung zu energetischen Maßnahmen bei Neu- oder Umbauten
  • allgemeine Energieberatung und Aufdecken energetischer Mängel in Ihrem Haushalt
  • Stromsparberatung
  • Überwachung und Begleitung bei energieeffizienten Bau- oder Modernisierungsmaßnahmen
  • Beratung bei der Auswahl energetischer Baumaterialien oder energieeffizienter technischer Anlagen
  • Erstellung des Energieausweises und entsprechende Prüfung
  • Empfehlung zur Nutzung alternativer Energien für den eigenen Haushalt
  • Beratung zu Fördermöglichkeiten für energetische Bauvorhaben und Sanierungen, wie den Fördermöglichkeiten der KfW-Bank
  • Beantragung von Fördermitteln für energetische Sanierungsmaßnahmen
Energieberatung

Ein Energieberater hilft Ihnen dabei, Ihre Stromkosten langfristig zu reduzieren

 

Ablauf einer Energieberatung

Eine umfassende Energieberatung läuft in der Regel nach den Maßgaben einer Vor-Ort-Energieberatung der BAFA in insgesamt vier Schritten ab.

Ablauf Energieberatung

Im ersten Schritt wird der Kontakt zum Energieberater aufgenommen. Dabei werden auch die Ziele der Beratung genau festgelegt.

Im zweiten Schritt nimmt der Energieberater Ihr Haus genau unter die Lupe. Im Zuge dessen macht er eventuelle Schwachstellen an Fenstern, Dach, Fassade oder an anderen Stellen des Gebäudes aus. Auch wenn Sie bereits konkrete Sanierungsmaßnahmen im Auge haben, sollte sich der Energieberater trotzdem immer das komplette Gebäude ansehen: Nur so kann geklärt werden, ob die vorgesehenen Einzelmaßnahmen auch sinnvoll sind und sich die Investitionen später für Sie rechnen!

Im dritten Schritt wird ein Beratungsbericht angefertigt, der Sie umfassend über den energetischen Gebäudezustand informiert und Vorschläge für Energiesparmaßnahmen beinhaltet.

In einem persönlichen Gespräch informiert Sie Ihr Energieberater im vierten Schritt über sinnvolle Möglichkeiten der Sanierung und individuelle Energiesparmaßnahmen. Er gibt hilfreiche Tipps und Tricks und berät Sie auch bei der Umsetzung der vorgeschlagenen Schritte.

Prüfkriterien Energieberatung

Ein Energieberater prüft die energetischen Gegebenheiten nach folgenden Kriterien

 

Mit zusätzlichen Beratungsangeboten Stromfresser besser erkennen

Neben den einzelnen Komponenten der Vor-Ort-Beratung der BAFA können auch noch weitere Zusatzleistungen in Anspruch genommen werden.

AufzählungBlower-Door-Test:

Der Blower-Door-Test gibt Ihnen Auskunft darüber, ob Ihr Zuhause Luftundichtheiten an Fenstern oder Türen aufzeigt. Durch undichte Stellen kann beispielsweise wertvolle Heizenergie entweichen.
Zur Durchführung müssen alle Fenster und Türen geschlossen sowie Lüftungsanlagen und Abflüsse ohne Siphon abgeklebt werden. Ein spezieller Ventilator wird dabei in eine Türöffnung eingesetzt und erzeugt einen gleichmäßigen Unter- beziehungsweise Überdruck im ganzen Gebäude. Anschließend kann der Fachmann Undichtigkeiten mit einer Infrarotkamera, Luftgeschwindigkeitsmessgeräten oder künstlichem Rauch feststellen. Die Messungen dauern etwa 5 Stunden.

AufzählungThermografie

Bei einer thermografischen Untersuchung werden Bilder von Ihrer Hausfassade mittels einer speziellen Infrarotkamera aufgenommen. So wird die Verteilung der Wärme an der Oberfläche der Hausfassade deutlich. Auf diese Weise können Mängel bei der Wärmedämmung und Schadstellen an Fenstern leicht erkannt werden. Ein abschließender Bericht informiert Hausbesitzer über Möglichkeiten zur besseren Wärmedämmung. Achten Sie besonders bei der thermografischen Untersuchung auf den richtigen Energieberater. Wärmebildkameras sind leicht manipulierbar. Vermeintlich unabhängige Energieberater können Hausbesitzer somit einfach davon überzeugen, dass eine Wärmedämmung nötig wird, obwohl das nicht der Fall ist.

AufzählungStromeinsparberatung

Bei der Stromeinsparberatung nimmt ein Energieberater auch Ihr Nutzerverhalten und einzelne Geräte ganz individuell unter die Lupe. Er legt den Verbrauch der einzelnen Gegenstände fest und gibt Ihnen konkrete Empfehlungen und das genaue Einsparpotenzial an.

Leistungen Energieberater

Hausbesitzer können neben der Vor-Ort-Energieberatung auch zusätzliche Angebote nutzen

 

Was kostet eine Energieberatung?

Die Kosten für eine Energieberatung sind abhängig vom Leistungsumfang, der Region und der Art der Immobilie. Um eine aussagekräftige Analyse zu erhalten, sollten Hausbesitzer sich nicht von vermeintlichen „Schnäppchen“ verführen lassen.
Für eine Vor-Ort-Beratung nach BAFA-Kriterien ist ein preislicher Rahmen von etwa 800 bis 1.600 Euro realistisch. Allerdings orientieren sich die Preise aufgrund der starken Konkurrenz unter den Beratern eher an der unteren Grenze.
Einzelne Messungen und Zusatzleistungen wie zum Beispiel eine Thermografie-Untersuchung schlagen, je nach Intensität, mit 90 bis 600 Euro zu Buche. Ein Blower-Door-Test kostet mindestens 350 bis 400 Euro, wenn er bei einem Einfamilienhaus durchgeführt wird.
Der Preis für eine Stromsparberatung richtet sich nach dem Zeitaufwand und der Gebäudegröße. Die Honorare für die Ausstellung eines Energieausweises variieren stark und werden in der Regel individuell ausgehandelt. Auch die Kosten für eine Bau- oder Sanierungsbegleitung fallen je nach Aufwand sehr unterschiedlich aus.

Eine Energieberatung mit staatlicher Förderung finanzieren

Dank der entsprechenden Fördermöglichkeiten lohnt sich eine Energieberatung auf lange Sicht für den Hausbesitzer. Für die Beantragung von Fördergeldern sind jedoch bestimmte Qualifikationen der Energieberater erforderlich. Nur die Energieberater, die von der BAFA anerkannt sind, werden auch staatlich gefördert! Erfüllt Ihr Berater die notwendigen Qualifikationen nicht, können im schlimmsten Fall keine Fördermittel für Ihr Sanierungsvorhaben beantragt und genehmigt werden. Auch bereits ausgestellte Energieausweise könnten im Nachhinein nicht anerkannt werden. Die Fördersumme richtet sich nach den in Anspruch genommenen Leistungen.

  • Energieberatung:
    Für die Energieberatung eines Ein- oder Zweifamilienhauses übernimmt das BAFA aktuell 400 Euro beziehungsweise 50 Prozent der Nettokosten. Die Stromsparberatung wird mit 50 Euro bezuschusst. Weitere 100 Euro sind als Zuschuss für thermografische Untersuchungen vorgesehen. Die Förderung kann in Anspruch genommen werden, wenn die Baugenehmigung für das Gebäude vor dem 31. 12. 1994 erteilt wurde und dieses überwiegend zu Wohnzwecken genutzt wird. Den Antrag für den Zuschuss muss der Energieberater stellen.
  • Baubegleitung:
    Die Baubegleitung durch einen qualifizierten Energieberater kann auch von den einzelnen Bundesländern gefördert werden. In Niedersachsen liegt die Fördersumme beispielsweise bei höchstens 1.500 Euro. Die KfW bezuschusst eine Baubegleitung sogar mit bis zu 4.000 Euro.
  • Stromberatung:
    Innerhalb einer Vor-Ort-Beratung bezuschusst das BAFA die Kosten einer Stromberatung zu 50 Prozent.
  • Energieausweis:
    Die Erstellung eines Energieausweises wird von dem BAFA und der KfW nicht gefördert!
Förderungen Energieberatung

Mit der passenden Förderung lassen sich die Beratungskosten erheblich reduzieren

 

So können Sie selbst sparen: Kleine Tipps mit großer Wirkung!

Ein großer Teil der Energiekosten lässt sich bereits durch ein geändertes Verhalten der Hausbewohner erheblich minimieren. Wer einige Tipps beachtet, kann seine Stromkosten dauerhaft senken, ohne dass große energetische Sanierungsmaßnahmen nötig sind.

  • Ersetzen Sie alte stromfressende Haushaltsgeräte durch neue energiesparende Modelle. Investieren Sie beispielsweise in Staubsauger mit einer niedrigen Wattzahl. Sie können bis zu 40 Prozent Energie einsparen.
  • Optimieren Sie Ihr Heiz- und Lüftungsverhalten. Damit können Sie Ihre Stromkosten sogar um bis zu 30 Prozent senken! Mehr Infos zum richtigen Lüften finden Sie hier.
  • Verhindern Sie es, Geräte auf Stand-by laufen zu lassen. Damit sparen Sie 5 bis 10 Prozent Stromkosten ein.
  • Nutzen Sie Energiesparlampen statt herkömmlicher Glühbirnen. Stromkosten für die Beleuchtung können so um bis zu 80 Prozent gesenkt werden.
  • Denken Sie an Alternativen: Kochen Sie Ihre Eier im Eierkocher oder backen Sie Brötchen auf dem Toasteraufsatz auf. Das spart zusätzlich Energie ein.
Stromsparpotenziale im Haushalt

Mit kleinen Tipps lässt sich bereits eine Menge Energie einsparen; Quelle: VDEW, UBA

 

Warum einen Energieberater einschalten?

Wer eine energetische Sanierung plant, muss mit relativ hohen Kosten für Modernisierungsmaßnahmen rechnen. Als Eigenheimbesitzer wollen Sie natürlich genau wissen, ob sich diese für Sie auch bezahlt machen. Die Energieberatung bietet die Grundlage zur Entscheidung für lohnenswerte Maßnahmen, wie beispielsweise der Dämmung der Fassade, des Daches oder der Erneuerung Ihrer Fenster. Die hohen Beratungskosten machen sich bereits nach kurzer Zeit bezahlt und können mit der richtigen Förderung reduziert werden.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading...Loading...