Im Großstadtdschungel

Barrierefreiheit: Freie Fahrt für freie Bürger

04.06.2013 14:08:30

Über 1,56 Millionen Deutsche sitzen im Rollstuhl. Die Hälfte davon ist unter 65. Viele dieser Menschen leben in Großstädten, und die sind voller Stolpersteine. Käuferportal hat seine Heimatstadt Berlin einmal mit anderen Augen betrachtet und per App auf Rollstuhltauglichkeit getestet – mit ernüchterndem Ergebnis.

Barrierefreiheit
Barrierefreiheit in der Stadt

Per App die Stadt erkunden

Angebote für mobile Geräte wie Tablet und Smartphone erleichtern auch gehbehinderten Menschen den Alltag. Apps und Internetseiten weisen auf barrierefreie Restaurants, Bahnzugänge oder Toiletten hin. Zwei Anwendungen sind für deutsche Städte verfügbar; und wurden von uns auf Herz und Nieren geprüft.

MyHandicapWheelmap.org
Verügbar für
  • iOs (IPhone)
  • Android (Samsung, HTC)
  • iOs (iPhone)
  • Android (Samsung, HTC)
Funktionen
  • Orte können nach ihrer Zugänglichkeit oder ihrer Ausstattung ausgewählt werden
  • In den Kategorien können Nutzer angeben, ob sie ein Restaurant, Museum, Amt oder Ähnliches suchen
  • Der Standort wird via GPS ermittelt und mit Hilfe einer Karte kann der Nutzer barrierefreie Plätze in seiner Umgebung finden
  • Die Orte dürfen eingetragen und bewertet werden
  • In den Kategorien können Nutzer angeben, ob sie ein Restaurant, Museum, Amt oder Ähnliches suchen
  • Die Karte zeigt barrierefreie Plätzen am gesuchten Ort an
  • Der Standort wird via GPS ermittelt und mit Hilfe einer Karte kann der Nutzer barrierefreie Plätze in seiner Umgebung finden
  • Die Orte dürfen eingetragen und bewertet werden
  • Nicht rollstuhlgerechte Orte werden rot gekennzeichnet
Nachteile
  •  Sehr lange Ladezeiten, manchmal geht die App gar nicht
  • Viel Werbung, die vom eigentlichen Zweck ablenkt
  • Umständliche Navigation, zu viele Klicks bis zum Ergebnis
  •  Registrierung umständlich
  • Einige Orte existieren nicht mehr oder sind doppelt

Auf der Wheelchair.org Karte werden nicht rollstuhlgerechte Orte rot angezeigt. Allein im Umkreis des Bahnhofs Friedrichstraße kann man die roten Fähnchen kaum zählen, wie unser Bild zeigt. Hinzu kommen noch nicht erfasste Eingänge zu Privathäusern und die gerade in Berlin sehr unebenen, wenig rollstuhlgerechten Straßen und Gehwege. Den Titel Hauptstadt der Barrierefreiheit hat sich Berlin damit noch nicht verdient.

Das Problem: zu viele rote Fähnchen

Karte von Wheelchair.org
Karte von Wheelchair.org

Unser Fazit: Da geht noch was! Zwar erleichtern beide Anwendungen den Alltag mit Gehbehinderung, aber perfekt sind sie noch lange nicht. Wheelmap.org geht auch aus den Kundenbewertungen im AppStore als Gewinner hervor. Die Bedienung ist einfach, effektiv und vom PC aus möglich. MyHandicap hingegen wird vor allem wegen der langen Ladezeiten von den Nutzern negativ bewertet.

Wann ist ein Ort barrierefrei?

  • Laut §4 BGG (Behindertengleichstellungsgesetz) dürfen Orte erst als barrierefrei ausgewiesen werden, „wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“Die in den Karten gezeigten Orte sind somit gesetzlich nicht barrierefrei, denn Blinde oder Gehörlose zählen ebenso unter die oben genannte Definition.

Tipp der Redaktion

Elektomobil: Die Alternative zum Rollstuhl: Die wendigen, flinken Gefährte haben sich nicht nur bei der Generation 65+ bewährt. In der Stadt meistern sie Unebenheiten und Steigungen perfekt, die Straßenbahn kann ignoriert und der Einkauf bequem nach Hause gebracht werden – eine echte Alternative zum Rollstuhl.
Elisa Hanske Elisa Hanske
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading...Loading...