Ausbildung und Sicherheit in der Logistik

Gabelstaplerführerschein: Mit staatlicher Förderung qualifizierte Leute einstellen

26.08.2014 15:24:18

Der Logistikmarkt hat in Deutschland ein jährliches Umsatzvolumen von über 220 Milliarden Euro. Gabelstapler spielen für die Effizienz und Wirtschaftlichkeit von logistischen Prozessen eine wichtige Rolle. Doch der Umgang mit einem Flurförderfahrzeug will gelernt sein. Erfahren Sie, was beim Gabelstaplerführerschein beachtet werden muss und welche Unterstützung Sie bei der Einstellung qualifizierter Mitarbeiter erhalten.

Unfälle vermeiden – Ausbildung zum Gabelstaplerfahrer

Das Gefährdungspotenzial im Umgang mit Gabelstaplern ist hoch, das zeigt ein Blick in die Unfallstatistik. Die Verletzungen reichen von Quetschungen über Knochenbrüche und Amputationen bis hin zu tödlichen Verletzungen. Die häufigste Ursache für Gabelstapler-Unfälle sind menschliche Fehlhandlungen. Die Berufsgenossenschaft hat daher eine einheitliche und verpflichtende Prüfung für das Fahren der Flurförderfahrzeuge durchgesetzt: den Flurfördermittelschein oder auch einfach nur Staplerführerschein genannt. Die Leidtragenden sind häufig nicht die Staplerfahrer selbst, sondern Personen auf den Verkehrsflächen, wie eine Auswertung der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen (BGF) zeigt.

Die häufigsten Unfallursachen

Eine professionelle Ausbildung im Umgang mit Flurförderfahrzeugen und innerbetriebliche Vorkehrungen zum Schutz der Beschäftigten können das Risiko von Unfällen senken. Wir erklären Ihnen im Folgenden, wie eine ordentliche Prüfung organisiert sein muss.

Ausbildung zum Staplerfahrer

Die Ausbildung zum Staplerfahrer ist an bestimmte von der Berufsgenossenschaft festgelegte Grundsätze gebunden. Welche sind das?

Was ist eine rechtmäßige Staplerprüfung?

ParagraphDie wichtigsten Kennzahlen, auf die Sie bei der Suche nach einem Ausbilder für Ihre Mitarbeiter zum Gabelstaplerfahrer achten müssen: BGV D27 und BGG 925. Hinter diesen Ziffern verbergen sich die Grundsätze für die „Ausbildung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand“. Danach muss die Ausbildung:

  • mindestens 20 Lehreinheiten à 45 Minuten und
  • davon mindestens 10 Lehreinheiten theoretisch und mindestens 10 praktisch betragen.

Welche Voraussetzungen muss der Fahrer mitbringen?

PrüfenStaplerfahrer müssen nicht nur sicher mit dem Fahrzeug umgehen können, sie müssen neben einem Mindestalter außerdem einige körperliche Voraussetzungen mitbringen:

  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Fahrer muss den Stapler ohne Behinderungen bedienen können
  • gutes Hör-, Reaktions- und Sehvermögen

Info

Medizinische Untersuchung

    Wollen Sie sichergehen, dass sich bestimmte Mitarbeiter für die Arbeit mit Gabelstaplern eignen, können Sie sie zur arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung G25 „Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten“ schicken. Ärzte, die berechtigt sind, diese Untersuchung durchzuführen, nennt Ihnen die Berufsgenossenschaft.

Was wird inhaltlich vermittelt?

ClipboardIn der Ausbildung zum Gabelstaplerfahrer bekommt man die in der Tabelle folgenden Inhalte vermittelt. Im Anschluss muss der Auszubildende eine schriftliche und eine praktische Prüfung ablegen:

 

Theorie und Praxis

Wo kann man den Staplerschein erwerben?

QualitätDer Gabelstaplerführerschein kann hier erworben werden:

 

  • DEKRA und TÜV
  • in zertifizierten IAG-Ausbildungsbetrieben (Institut für Arbeit und Gesundheit) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)
  • unter Anleitung freiberuflicher Ausbilder
  • bei Firmen, die mit Gabelstaplern handeln oder Gabelstapler herstellen

Info

    Die Berufsgenossenschaft rät davon ab, „Samstagskurse“ von unqualifizierten Kräften zu buchen. Diese seien Geldmacherei und dienen nicht einer fachmännischen Ausbildung. Die qualifizierte Ausbildung kann nicht an einem Tag oder Wochenende vermittelt werden.

10 Hinweise für den sicheren Umgang mit Gabelstaplern

1. Zündschüssel immer abziehen

ZündschlüsselVerlässt der Staplerfahrer sein Fahrzeug, sei es auch nur für wenige Minuten, sollte er stets den Schlüssel mitnehmen und das Fahrzeug sicher abstellen.

 

2. Tägliche Betriebskontrolle

BetriebskontrolleVor jedem ersten Einsatz am Tag sollte der Staplerfahrer den Gabelstapler auf Funktionstüchtigkeit untersuchen.

 

3. Nur gekennzeichnete Wege nutzen

gekennzeichnete WegeWege für Gabelstapler müssen zu beiden Seiten des Staplers 0,5 Meter Platz lassen, zu Türen oder anderen Öffnungen ist es ein Meter. Gabelstapler sollten sich nur auf den für sie freigegebenen Flächen bewegen.

4. Freie Sicht

Freie SichtDer Fahrer sollte nie so hoch stapeln, dass ihm die Sicht versperrt ist. Kurven sollten auch wegen der wirkenden Fliehkräfte besonders langsam umfahren werden, da der Gabelstapler sonst droht umzukippen.

5. Achtung Fußgänger

Achtung FußgängerDer Fahrer muss sich sowohl beim Vorwärts- als auch beim Rückwärtsfahren stets versichern, dass ihm keine Fußgänger in die Quere kommen.

 

6. Keine Personenbeförderung

Keine PersonenbeförderungIst kein Beifahrersitz in der Kabine, darf keine weitere Person mitgenommen werden. Das Auf- und Abwärtsfahren von Personen ist nur mit einer ordnungsgemäßen Hebebühne erlaubt. Die Arbeitsbühne muss ein Geländer von mindestens einem Meter, eine Knie- und eine Fußleiste haben. Außerdem muss die Feststellbremse angezogen und der Fahrbetrieb abgeschaltet sein.

7. Lasten sichern

Lasten sichernNur gesicherte Lasten dürfen transportiert werden, z. B. mit Gurten oder in Folie eingeschrumpft.

 

8. Anschnallen nicht vergessen

AnschnallenDer Fahrer muss sich, bevor er den Gabelstapler startet, anschnallen. Sollte dieser seitlich kippen, ist der Fahrer somit gegen ernsthafte Verletzungen gesichert.

 

9. Keine Überlast

Keine ÜberlastEs dürfen nur die zugelassenen Lasten transportiert werden, höhere Gewichte können das Gleichgewicht des Staplers gefährden.

 

10. Geradeaus bei Gefälle

Geradeaus bei GefälleLasten müssen auf schrägen Ebenen immer bergseitig geführt werden. Außerdem ist das Wenden auf Rampen nicht gestattet. Die Gefahr, dass der Stapler umkippt, ist zu hoch.

 

Gut investiert: Kosten von Staplerausbildungen

DEKRADie Schulungen verstehen sich inklusive Prüfung und sind auf zwei bis fünf Tage angelegt. Das Prüfungsangebot der DEKRA sieht zum Beispiel zwei Tage für die Ausbildung vor, setzt jedoch Fahrerfahrung voraus. Ist keine Erfahrung vorhanden, werden Fünf-Tages-Lehrgänge empfohlen. Die DEKRA-Kurse sind jeweils an Wochenenden. Die Termine für Ihren Standort finden Sie auf der Homepage der unabhängigen Prüforganisation. Die Ausbildung können Sie online buchen. Das Gleiche gilt für die Kurse von der TÜV Akademie.

TÜV NordDie Preise liegen im Durchschnitt pro Person bei 250 Euro. Die Zwei-Tages-Kurse der DEKRA kosten 225 Euro, der TÜV Nord verlangt dagegen ebenfalls für zwei Tage 345 Euro. Für fünf Tage verlangt die DEKRA 345 Euro. Die Kosten können Sie jedoch als Unternehmer von der Steuer absetzen oder von der Arbeitsagentur erstattet bekommen.

 

Schulungsvideo – Gabelstaplerausbildung bei der DEKRA | Jobspider (Youtube.com)

Info

Jährliche Sicherheitsunterweisung

    Einmal im Jahr muss der Führerschein für Gabelstapler erneuert werden. Auch die Auffrischungskurse sind bei den oben genannten Institutionen buchbar und dauern in der Regel nur wenige Stunden.

Gabelstaplerführerschein finanzieren

ArbeitsamtAls Unternehmer dürfen Sie nur Fahrer einsetzen, die einen Staplerführerschein besitzen. Überlegen Sie neue Mitarbeiter einzustellen, ist es lohnenswert, sich bei der Agentur für Arbeit zu erkundigen. Denn hier gibt es zwei Möglichkeiten zur staatlichen Unterstützung der Finanzierung des Führerscheins:

1. Bildungsgutschein

Die Kosten für Gabelstaplerführerscheine werden von der Agentur für Arbeit, vom Jobcenter, Argen oder ähnlichen Leistungsträgern übernommen, wenn sich dadurch die Vermittlungschancen eines Arbeitssuchenden erhöhen. Ob der Lehrgang mit einem Bildungsgutschein bezahlt werden kann, steht in den meisten Fällen in der Kurs-Ausschreibung oder kann erfragt werden.

2. Eingliederungszuschuss

Stellen Sie einen Langzeitarbeitslosen ein, zahlt Ihnen die Arbeitsagentur 50 Prozent der Gehaltskosten für einen Zeitraum von 12 Monaten. Damit sollen zu erwartende Minderleistungen in der Anfangsphase ausgeglichen werden.

Voraussetzungen:

Der Arbeitssuchende ist mindestens 18 Jahre alt und gilt als langzeitarbeitslos. Außerdem sollten zwei weitere Vermittlungshemmnisse bestehen, z. B. mangelnde schulische oder berufliche Qualifikation oder Migrationshintergrund. Voraussichtlich ist die Vermittlung in den nächsten 24 Monaten nicht gewährleitstet.
Der jeweilige Fallmanager entscheidet über das Vorliegen eines Vermittlungshemmnisses, da der Eingliederungszuschuss auch eine Sache des Ermessens ist.

Wettbewerbsvorsprung: geschultes Personal

Gabelstapler erleichtern die Logistik in Unternehmen: Sie sind wendig, schnell und ersparen eine Menge Muskelkraft. Müssen in Ihrem Unternehmen schwere Lasten transportiert, Waren oder Materialien rasch verladen werden, ist ein Gabelstapler eine große Hilfe. Doch nützt der beste Stapler nichts ohne geschultes Personal. Die Ausbildung eines Mitarbeiters zum Gabelstaplerfahrer ist eine Investition in die Zukunft Ihres Unternehmens.

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