Ein alter Hut, gewagte Theorien und Nutzerfreundlichkeit

Entwicklungen im Webdesign: Was uns in nächster Zeit erwartet

03.09.2013 14:52:18

„Gutes Design, ist so wenig Design wie möglich“ Diese These, wurde vom deutschen Industriedesigner Dieter Rams aufgestellt und ist auch einer der Bekanntesten. Rams Theorie vom optimalen Design wird auch heute noch in Lehrveranstaltungen behandelt und findet in der Szene großen Zuspruch. Doch was ist optimales Webdesign und welche Entwicklungen gibt es in der Webdesign-Welt?

Entwicklungen im Webdesign (juhansonin | Flickr.com)
Entwicklungen im Webdesign (juhansonin | Flickr.com)

Entwicklung 1: Hat Adobe Photoshop ausgedient?

Photoshop Screenshot
Photoshop Screenshot

Als der englische Blogger Jim Ramsden die These „Photoshop hat im Webdesign ausgedient“ öffentlich machte, gab es viel Aufmerksamkeit und Bedenken über die Richtigkeit der Aussage. Schließlich gehört die Software seit Jahren zum Grundstock eines Webdesigners und soll auf einmal überflüssig sein. Ramsden kann seine durchaus gewagte These erklären.

Photoshop arbeitet als Werkzeug für die Bildbearbeitung auf Pixelbasis – alle erstellten Elemente bestehen aus kleinen Punkten (Pixeln). Das Internet setzt aber schon lange nicht mehr auf nur auf Pixel, sondern auch auf Vektoren (Linien / geometrische Formen). Photoshop kann aber nur komplette, statische Bilder erstellen. Die Internetseite wird sozusagen als Bild entworfen und muss von Programmierern mühselig auseinander geschnitten werden, damit einzelne Elemente flexibel sind und Funktionen übernehmen können. Andernfalls wäre die Seite nur ein starres Bild ohne Funktionen.

Das Design-Programm scheint 2013 langsam ausgedient zu haben. Webdesigner setzen zunehmend auf Web-freundlichere Software wie InDesign oder Illustrator. Somit wird dem Nutzer eine einfachere Bedienung garantiert und Programmierer können effektiver arbeiten.

Entwicklung 2: Aufmerksamkeitsstarke Elemente oder Minimalismus?

Flat Design im Käuferportal Ratgeber
Flat Design im Käuferportal Ratgeber

Das Wort „flat“ ist Englisch und bedeutet „flach“. Im Webdesign steht es für flache Internetseiten, die auf ein Minimum reduziert sind. Es werden keine Schatten, Animationen oder andere Effekte eingesetzt, die vom eigentlichen Inhalt ablenken. Die bekannteste Seite, die nach diesem Prinzip erstellt wurde, ist die Google-Startseite. Die Seite konzentriert sich auf das Wesentlichste und ist dadurch übersichtlich, einfach und schnell. Überflüssige Designelemente sind nicht gewünscht und genau das ist der Kern des Flat Designs: Durch die Reduktion der Gestaltungselemente wird eine hohe Nutzerfreundlichkeit erreicht.

Den Weg von überladenen Seiten hin zu einer einfachen übersichtlichen Struktur beschäftigt die Branche schon eine Weile. Im Grunde genommen ist Flat Design bereits ein alter Hund, nur hat es jetzt einen Namen. „Usability“ ist seit drei Jahren das Schlagwort im Webdesign und Internetmarketing. Die englische Bezeichnung für Benutzerfreundlichkeit steht im Grafikdesign und in der Programmierung für die logische und einfache Bedienung, sowohl im Internet als auch bei anderen Nutzeroberflächen. Damit haben blinkende und überladene Internetseiten ausgedient und das Flat Design hält weiter Einzug in der Webseiten-Landschaft.

Entwicklung 3: Mit Parallax Scrolling Web-Erlebnisse schaffen

Parallax Scrolling gibt es schon einige Jahre, ist auf deutschen Webseiten aber kaum zu sehen. Mithilfe eines Scrolling-Effektes lassen sich verschiedene Bereiche der Webseite in unterschiedlichen Geschwindigkeiten scrollen / bewegen. Dadurch entsteht ein 3D-Effekt und Geschichten oder Abläufe lassen sich spannend und unterhaltend abbilden. Die Geschwindigkeit der Bilder passt sich dem Scroll-Verhalten an: Je schneller der User scrollt, desto schneller bewegen sich die einzelnen Teile der Seite. Die Navigationsleiste bleibt fix, sodass sich der Besucher jederzeit durch die Webseite klicken kann.

Für folgende Seiten / Inhalte eignet sich Parallax Scrolling:

  • Trendprodukte
  • Geschichten / Abläufe (Beispiel: Ökokreislauf, Herstellungsprozesse)
  • Portfolios
  • Unternehmenspräsentationen

Entwicklung 4: Optimale Darstellung auf mobilen Endgeräten

Die Anzahl mobiler Surfer steigt. Umso wichtiger sind Webseiten, die auf Smartphones oder Tablets nicht versagen und alle Inhalte anzeigen. Viele Seiteninhaber stellen eine App bereit, doch diese verfügen nur über einen Bruchteil der Funktionen und Inhalte der Seite und entsprechen kaum der Originalseite.

Aus diesem Grund wurde vor einiger Zeit Responsive Design ins Leben gerufen. Die Webseite passt sich auf allen mobilen Endgeräten an. Das Aussehen der Seite bleibt je nach Gerät (Auflösung, Bildschirmgröße) zum größten Teil bestehen. Vierspaltige Webseiten werden zum Beispiel in zwei Spalten dargestellt. Der Besucher muss sich nur kurz umorientieren und findet sich in der mobilen Variante sehr schnell zurecht, was nicht zuletzt der Verweildauer zu Gute kommt. Erweiterte responsive Seiten passen sich zudem in Navigationsleisten an: Drop-Down Menüs werden zusammengefasst und auf mobile Unterseiten weitergeleitet. Der Grund: Drop-Down Menüs sind mobil schwerer zu bedienen als in der Desktopvariante.

Entwicklung 5: Full-Screen-Designs

Früher wurden Webseiten in 960-Pixel breite Grid-Systeme gepackt. Dadurch verloren die Seiten an Tiefe und Wirkung, da zu viel Platz nicht genutzt wurde. Webseiten, die über 1024 Pixel in der Breite hinausgehen, verlieren selbst bei großen Monitoren kaum an Wirkungskraft. Zudem haben Webdesigner die Möglichkeit, mehr relevante Informationen für den ersten Blick unterzubringen. Der Internetnutzer nimmt zuerst alle Informationen auf, die „above-the-fold“ stehen. Das ist der Zustand der Seite vor dem Scrollen. Je gezielter und passender die Infos in diesem Bereich dargestellt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Besucher auf der Seite bleibt und sich den Rest ansieht: Breitere Webseiten bieten mehr Chancen für Seiteninhaber.

Bei der Umsetzung auf Full-Screen-Designs sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Keine reinen Textspalten wie in Zeitungen
  • Bilder und Texte parallel darstellen
  • Navigation sollte sich am Rand befinden
  • Full-Screen-Design ist responsive
  • CMS-Themes müssen in der Anpassung flexibel sein

„Gutes Design ist so wenig Design wie möglich“ – die These von Dieter Rams stimmt. Der Trend bei Webseiten geht von der Funktionalität über zur Nutzerfreundlichkeit und einem flachen, strukturierten Aussehen. Unterhaltsame und durchdachte Seiten halten die Nutzer auf den Seiten, was sich positiv auf die Verweildauer auswirkt. Zugepackte Seiten, die nach alten Vorgaben programmiert wurden, haben in der heutigen Web-Landschaft zunehmend ausgedient. Informationen und Übersichtlichkeit sind die neuen, inoffiziellen Schlagworte.

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