Private Insolvenz

Inkasso – Ausweg aus der Schuldenfalle: So tragen Sie den Schuldenberg ab

17.10.2013 13:36:38

Es gibt viele Gründe, die zu finanziellen Engpässen führen: Trennungen und Scheidungen, Krankheiten, Schicksalsschläge und Arbeitslosigkeit. Übersteigen die monatlichen Ausgaben regelmäßig die erzielten Einnahmen, können bestehende Verpflichtungen langfristig nicht erfüllt werden und an einen Abbau der Schulden ist nicht mehr zu denken. Die private Insolvenz ist nur einer der Wege, den Betroffene wählen können. Wir zeigen Ihnen, unter welchen Voraussetzungen die Eröffnung des Verfahrens möglich ist und welche Optionen noch zur Verfügung stehen.

Inkasso - Ausweg aus der SchuldenfalleAuswege aus der Schuldenfalle (fRandi-Shooters | Flickr.com)

Private Insolvenz vermeiden

Wenn Ihnen der Schuldenberg über den Kopf zu wachsen droht, müssen Sie aktiv werden. Die private Insolvenz sollte stets als letzter Ausweg verstanden werden – an erster Stelle sollte die Erfüllung der Verbindlichkeiten stehen.
Haben Sie einen Überblick über Ihre Schulden und die derzeitige Vermögenslage gewonnen, sollten Sie umgehend in Kontakt mit Ihren Gläubigern treten. Bleiben Sie dabei sachlich und sprechen Sie offen über Ihre Situation. Erklären Sie, wie es zur Verschuldung kam und bieten Sie die Begleichung der offenen Forderung im Rahmen Ihrer Möglichkeiten an. Diese Aufrichtigkeit mag Ihnen nicht leicht fallen, wird aber hoffentlich die Türen für eine außergerichtliche Klärung offen halten.

Alles schriftlich fixieren

Etwaige Vereinbarungen sollten immer per Brief an beide Parteien gesendet werden. Auf diese Weise erlangen sie Rechtskraft und entfalten eine bindende Wirkung. Sofern Sie bereit sind, Ihre finanziellen Verhältnisse aufzudecken, können Sie eine freiwillige Selbstauskunft an Ihre Gläubiger senden. Erstellen Sie dazu eine Übersicht über Ihre Einkünfte und legen Sie dem Schreiben einen Schuldenplan bei. Mit einer Selbstauskunft erzeugen Sie in jedem Fall einen positiven Eindruck und verschaffen sich hoffentlich eine gute Ausgangsposition für Verhandlungen.

Ratenzahlungen vereinbaren

Eine gute Möglichkeit zum systematischen Abbau Ihrer Schulden stellt die Ratenzahlung dar: Durch vergleichsweise kleine Raten kann eine zu starke monatliche Belastung vermieden werden. Die Höhe der Raten richtet sich dabei nach der Höhe des Einkommens. Oftmals bietet sich die Kombination mit einer Stundung an: Hier beginnen Sie erst zu einem späteren Termin mit der Erfüllung Ihrer Verbindlichkeiten.
Sofern Sie gute Gründe für die Entstehung Ihrer Schulden haben, kommt auch ein Antrag auf Forderungsverzicht in Betracht. Dieser bedarf der Zustimmung durch den Gläubiger. Aussichten auf Erfolg haben Sie bei schwerwiegenden Ursachen, wie etwa bei einer schweren Erkrankung oder Tod Ihres Lebenspartners.

Außergerichtliche Einigung

Ist der Schuldenberg so hoch, dass er sich auf anderem Wege nicht mehr abtragen lässt, bleibt nur noch die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Eine Privatinsolvenz unterliegt strengen Regulierungen und hat die Befreiung von der Restschuld zum Ziel. Bevor das Verfahren eröffnet werden kann, muss nachgewiesen werden, dass der Schuldner versucht hat, sich mit seinen Gläubigern außergerichtlich zu einigen. Ohne einen außergerichtlichen Einigungsversuch ist die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nicht möglich: Gläubiger und Schuldner sind dazu angehalten, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Dazu wird ein Schuldenregulierungsplan aufgestellt, welcher die Zahlungsmodalitäten an Ihre individuelle finanzielle Situation anpasst.
Verweigert ein Gläubiger die Zustimmung zum Schuldenregulierungsplan, bleibt Ihnen nur der Weg vor ein Gericht. Hierzu müssen Sie einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen und benötigen einen Nachweis über die gescheiterten Verhandlungen. Diesen stellen nicht nur Schuldnerberatungen, sondern auch Notare und Steuerberater aus.

Inkasso

Insolvenzantrag vor Gericht

Kann eine verspätete Einigung mit dem Gläubiger erzielt werden, wird der Insolvenzantrag automatisch abgelehnt. Kann eine entsprechende Vereinbarung allerdings nicht getroffen werden, schließt sich das vereinfachte Insolvenzverfahren an. Im Rahmen dieses Verfahrens bestimmt das Gericht einen Treuhänder, der mit der Verwaltung des pfändbaren Anteils Ihres Einkommens betraut wird. Sehen die Gläubiger sich damit befriedigt oder können diese keine weiteren Gründe vorbringen, die gegen eine Restschuldbefreiung sprechen, haben Sie einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Schuldenfreiheit hinter sich gebracht.

Restschuldbefreiung in der Privatinsolvenz

An das Verfahren schließt sich die sogenannte Wohlverhaltensperiode an. In dieser Zeit soll der Schuldner zeigen, dass er aktiv an einer Entschuldung mitwirkt. Sofern Sie zum Beispiel keiner geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen, sollten Sie sich hier zeitnah um eine Arbeitsstelle kümmern: Die Ablehnung eines zumutbaren Arbeitsangebots wirkt sich nachteilig auf die private Insolvenz aus.
Denn nicht in jedem Fall wird die Restschuldbefreiung gewährt: So können zum Beispiel selbst vermeintlich harmlose Pflichtverletzungen wie das Nicht-Mitteilen der neuen Adresse bei Umzug zu einer Ablehnung führen.

Aktiv werden

Peter Zwegat: Umgang mit Geld richtig lernen (Video: ZDF WISO | youtube.com)

Die Zahl der Haushalte, die in eine finanzielle Schieflage geraten, nimmt immer weiter zu. Oftmals kann eine Rechnung nicht sofort, sondern erst mit dem nächsten Gehaltseingang beglichen werden. Wichtig ist immer, dass Sie in dieser Situation aktiv werden und Ihre Gläubiger kontaktieren. Legen Sie Ihre Situation dar und vereinbaren Sie eine Ratenzahlung, damit Sie gar nicht erst in die Überschuldung oder gar Privatinsolvenz geraten.

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