Factoring ist eine Finanzierungsform bei der die Liquiditätslage von Unternehmen verbessert wird. Factoring ermöglicht den Unternehmen ihr Umlaufvermögen unabhängig von Banken zu finanzieren. Die Factoringbranche verzeichnet seit dem Jahr 2000 jährlich zweistellige Zuwachsraten und hat sich mittlerweile als Finanzierungsmöglichkeit durchgesetzt.
Factoring-Anbieter kaufen Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen eines Unternehmens. Damit schliesst Factoring die Liquiditätslücke zwischen Einkauf und Verkauf.
Das Unternehmen A leidet trotz guter Auftragslage unter Liquiditätsproblemen. Dies kann aufgrund langer Zahlungsziele entstehen und verursacht für das Unternehmen zwei prinzipielle Probleme: Einerseits fehlt Geld für den Einkauf von Waren und andererseits fehlt Geld zum investieren was sich nicht nur auf negativ auf das Tagesgeschäft auswirken kann sondern auch mögliche Espansionenspläne verhinert.
Nach Beauftragung eines Factoring Unternehmens stellt Unternehmen A seinen Kunden wie zuvor die Rechnungen aus, sendet diese aber gleichzeitig an das Factoring Unternehmen. Das Factoring-Unternehmen erledigt dann alles Weitere. Unternehmen A erhält dafür rund 80-90% des Forderungsbetrags innerhalb von 24-48 Stunden nach Rechnungsstellung - je nach Vertrag. Der Rest wird als Sicherheitspuffer von dem Factoring Unternehmen einbehalten und erst nach Rechnungsausgleich ausgezahlt. Außerdem hat der Factoring Nutzer damit seine Debitorenbuchhaltung ausgelagert. Natürlich ist Factoring auch mit Kosten verbunden - dazu im nächsten Abschnitt mehr.
Angenommen das Unternehmen A verkauft an ein Factoring Unternehmen eine Forderung in Höhe von 1.200€. Dafür bezahlt das Factoring Unternehmen zunächst 80% des Betrags, also 960 €. Die restlichen 20% werden nach Eingang der Forderung ausgezahlt. Wenn die Forderung nach einem Monat beglichen wird, fallen dafür, bei einem Zinssatz von z.B. 7% p.A, Zinskosten in Höhe von 960*0,07*1/12 = 5,6 € an. Diese Kosten sind meist geringer, als wenn das Unternehmen A einen Kontokorrentkredit in Anspruch genommen hätte, um die laufende Kosten des Monats zu decken. Zudem verbessern sich die Eigenkapitalquote (durch "Bilanzverkürzung") und das Bonitätsranking des Unternehmens.
Häufig sind Factoringverträge derart gestaltet, dass zunächst eine Basisgebühr gezahlt wird (Factoring Gebühr). Deren Höhe bewegt sich zwischen 0,8 % und 2 % vom Jahresumsatz und ist abhängig von der Anzahl der Kunden und Rechnungen, Rechnungshöhe und die Bonität der Kunden. Zusätzlich zu der Factoringgebühr muss man Zinsen auf das von dem Factoringunternehmen vorgestreckte Geld zahlen. Die Höhe dieses Zinssatzes bewegt sich etwas unter dem marktüblichen Zinssatz für Kontokorrentkredite.
Einerseits unterscheidet man zwischen echtem und unechtem Factoring. Beim echten Factoring wird das Ausfallrisiko der Forderung von dem Factoringunternehmen ebenfalls übernommen, beim unechten Factoring nicht. Natürlich beeinflusst die Übernahme des Ausfallrisikos die Kosten des Factorings.
Andererseits wird zwischen stillem und offenem Factoring unterschieden. Das stille Factoring bleibt dem Schuldner verborgen, weil die Debitorenbuchhaltung weiterhin über die Adresse des Factoring Nutzers (Unternehmen A) abgewickelt wird. Stilles Factoring kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Einsatz eines Factoringunternehmens in der Außenwirkung negativ wäre. In Deutschland werden in der überwiegenden Zahl echte und offene Factoringverträge abgeschlossen.
Factoring bündelt zumeist 3 verschiedene Dienstleistungen. Das Forderungsmanagement, den Forderungsausfallschutz (vgl. Warenkreditversicherung) und Liquiditätsüberbrückung (quasi wie ein Kredit). Gerade letzteres kann auch auf andere Weise erfolgen:
Factoring ist nicht zu verwechseln mit Inkasso. Während ein Factoringunternehmen das Debitorenmanagement als Ganzes übernimmt, wird ein Inkassounternehmen üblicherweise erst dann beauftragt, wenn es bei einzelnen Forderungen zu Zahlungsverzögerungen kommt (vgl. Forderungsmanagement und Forderungsausfall). Dadurch verbleibt beim Inkasso die Forderung in der Bilanz des Unternehmens. Beim Factoring hingegen werden die Forderungen an das Factoringunternehmen verkauft.
Factoringunternehmen arbeiten in der Praxis eng mit der Finanzbuchhaltung ihrer Mandanten zusammen.
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