Ablauf, Vorteile und Kosten

Factoring: Alle Informationen im Überblick

Das Factoring stellt eine Finanzdienstleistung dar, bei der die Liquiditätslage von Unternehmen verbessert wird. Das Umlaufvermögen kann unabhängig von Banken finanziert werden, indem Factoring-Anbieter Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen eines Unternehmens kaufen. Durch den Forderungsverkauf schließt Factoring die Liquiditätslücke zwischen Einkauf und Verkauf.

Ablauf des Factorings im Detail

Trotz guter Ausgangslage leidet das Beispielunternehmen A unter Liquiditätsproblemen. Dies kann aufgrund langer Zahlungsziele entstehen und verursacht für das Unternehmen zwei Probleme: Es fehlt Geld für den Wareneinkauf und für weitere Investitionen. Dieser Umstand wirkt sich negativ auf das Tagesgeschäft aus und kann unter Umständen Expansionspläne und somit das Wachstum der eigenen Firma verhindern.

Genau an dieser Stelle tritt Factoring als Lösung auf. Nach Beauftragung eines Factoring-Unternehmens stellt Unternehmen A seinen Kunden wie gewohnt die Rechnungen aus, sendet diese aber gleichzeitig an das Factoring-Unternehmen. Innerhalb von 24 – 48 Stunden zahlt die Factoring-Firma rund 80 – 90 % des offenen Forderungsbetrags. Die restlichen 10 – 20 % werden bis zum Rechnungsausgleich als Sicherheitspuffer einbehalten. Die exakten Konditionen und Zahlungsbedingungen werden dabei immer vertraglich je nach Gegebenheit vereinbart.


Wie funktioniert Factoring in der Praxis?

  1. Factoring beginnt mit der doppelten Rechnungsausstellung: Es geht jeweils eine Rechnung an den Kunden und eine an das Factoringunternehmen.
  2. Die automatische Bonitätsprüfung erfolgt durch das Factoringunternehmen.
  3. Bei einer positiven Bonitätsprüfung wird die Forderung an das Factoringunternehmen automatisch veräußert.
  4. Das Factoringunternehmen zahlt beim Forderungskauf bis zu 90 % des offenen Betrages an das fordernde Unternehmen.
Factoring in der Praxis
Grafik: Käuferportal

Factoring - Rechenbeispiel
Angenommen das Unternehmen A verkauft an ein Factoringunternehmen eine Forderung in Höhe von 1.200 Euro. Dafür bezahlt das Factoringunternehmen zunächst 80 % des Betrags, also 960 Euro. Die restlichen 20 % werden nach Eingang der Forderung ausgezahlt. Wenn die Forderung nach einem Monat beglichen wird, fallen bei einem Zinssatz von z.B. 7 % p.A. Zinskosten in Höhe von 960*0,07*1/12 = 5,60 € an. Die Zinskosten sind meist geringer als die eines Kontokorrentkredites. Zudem verbessern sich durch die Auslage der offenen Forderungen die Eigenkapitalquote und das Bonitätsranking des Unternehmens.


Kosten des Factorings

In den meisten Factoring-Verträgen findet sich die Vereinbarung einer Basis- bzw. Factoringgebühr. Die Höhe bewegt sich zwischen 0,8 – 2,0 % vom Jahresumsatz des jeweiligen Unternehmens und ist abhängig von der Anzahl der Kunden und Rechnungen, Rechnungshöhen und die Bonität der Kunden. Neben der Basisgebühr muss jedes Unternehmen Zinsen für die kurzfristige Zahlungshilfe zahlen. Der Jahreszins bewegt sich unter dem marktüblichen Zinssatz für Kontokorrentkredite. In welcher Höhe Zinsen gezahlt werden müssen, wird vertraglich festgelegt und kann je nach Vertragskonditionen jederzeit an Marktbedingungen angepasst werden.

Auch die Factoring-Arten nehmen Einfluss auf die Kosten der Forderungsübernahme. Zunächst unterscheidet man zwischen echtem und unechtem Factoring. Beim echten Factoring wird das Ausfallrisiko der Forderung vom Factoring-Unternehmen ebenfalls übernommen, beim unechten hingegen nicht. Natürlich beeinflusst die Übernahme des Ausfallrisikos die Kosten des Factorings. Das echte Factoring wird in Deutschland priorisiert.

Des Weiteren gibt es noch die zwei Arten stillem und offenem Factoring. Beim stillen Factoring wird dem Schuldner die Forderungsübertragung verschwiegen, denn die Debitorenbuchhaltung wird weiterhin über die Adresse des fordernden Unternehmens geführt. Stilles Factoring kommt dann zum Einsatz, wenn der Gebrauch einer Factoring-Firma negative Konsequenzen hinsichtlich der Außenwirkungen haben könnte. Beim offenen Factoring hingegen wird der Einsatz einer Factoring-Firma offen dargelegt und es sind nur Forderungen mit schuldbefreiender Wirkung möglich. Eine Mischform der beiden Varianten ist das Halb-offene Factoring. Der Debitor erhält keine Information über den Verkauf der offenen Geldleistung, sondern nur eine Bankverbindung, an welche die offene Forderung zu zahlen ist. Diese Verbindung gehört natürlich dem Factoring-Unternehmen.


Die Vorteile von Factoring

  • Outsourcing des gesamten Forderungsmanagements
  • schnellere Liquidität und Bankenunabhängigkeit
  • Ausnutzung von Rabatten und Skonti
  • Erhöhung des Standings bei Ihren Lieferanten
  • Indirekte Verbesserung der Eigenkapitalquote durch Factoring
  • Reduzierung der Gewerbesteuer durch Factoring
  • Größeres Ansehen beim Kunden durch Sofortzahlung
  • guter Ausgleich bei saisonalen Umsatzschwankungen
  • Reduzierung von dauerhaften Schulden

Factoring im Vergleich zu anderen Finanzierungsmöglichkeiten

Factoring bündelt drei verschiedene Dienstleistungen: Forderungsmanagement, Forderungsausfallschutz (vgl. Warenkreditversicherung) und Liquiditätsüberbrückung. Doch letzteres kann auch durch andere Finanzierungsmodelle erfolgen:

  • Einkaufsfinanzierung - Finanzierungsinstrument für das Umlaufvermögen
  • Sale and Lease Back - Finanzierungsinstrument für das Anlagevermögen

Wo liegt der Unterschied zwischen Factoring und Inkasso?

Factoring ist nicht zu verwechseln mit Inkasso. Während ein Factoringunternehmen das Debitorenmanagement als Ganzes übernimmt, wird ein Inkassounternehmen üblicherweise erst dann beauftragt, wenn es bei einzelnen Forderungen zu Zahlungsverzögerungen kommt (vgl. Forderungsmanagement und Forderungsausfall). Dadurch verbleibt beim Inkasso die Forderung in der Bilanz des Unternehmens. Beim Factoring hingegen werden die Forderungen an das Factoring-Unternehmen verkauft. Zudem arbeiten die Unternehmen eng mit der Finanzbuchhaltung ihrer Mandanten zusammen.

Weitere Informationen zu Factoring auf www.geldratgeber.de

Bildquellen:
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