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Forfaitierung

Forfaitierung ist vor allem für den Exporteur von wesentlicher Bedeutung. Der Exporteur geht nämlich in Vorleistung, indem er seine Waren ausliefert. Die seinem Schuldner gegenüber offene Forderung schlägt sich positiv in der Buchhaltung nieder. Doch das Geld steht ihm nicht zur Verfügung. Erst der Verkauf dieser Forderungen erhöht umgehend die Liquidität.

Der Forfaiteur (Käufer der Forderung) zahlt selten in völler Höhe, sondern bestimmt einen Abschlag wegen Forderungsausfallrisikos des Schuldners. Zum einfachen Verständnis wird dieses Forfaitierungsgeschäft auch fälschlicherweise „Handel mit Wechsel“ genannt.

Forfaitierung wird von vielen Banken angeboten, die entsprechende Abteilungen für diesen Zweck unterhalten. Es gibt aber auch einige Nichtbanken, also normale Unternehmen, die Forfaitierung anbieten. Diese haben meist umfangreiche Beziehungen ins Ausland, insbesondere in die Länder, in denen Forfaitierung angeboten wird. Ein Forfaiteur sollte also über hinreichendes Know-how verfügen und einen entsprechenden finanziellen Background, weshalb eine Factoring-Bank am besten geeigenet scheint. Abgesehen davon sind natürlich günstige Konditionen für das Forfaitierungsgeschäft wichtig.

Konkreter Ablauf einer Forfaitierung

Aus rechtlicher Sicht bedeutet die Forfaitierung einen Forderungsverkauf, welcher eine komplette Abtretung sämtlicher damit verbundenen Rechte und Pflichten beinhaltet. Logischerweise geht damit auch der regresslose Ankauf der Forderung einher. Banken und Forfaitierungsgesellschaften, die Exportforderungen aufkaufen, zahlen für diese in der Regel einen auf das Zahlungsziel abgezinsten Betrag in Höhe der Forderung, abzüglich einer Marge, die den eigentlichen Gewinn der Forfaitierungsgesellschaften darstellt.

Sofern Sie sich bereits für ein Forfaitierungsgeschäft entschieden haben, können Sie über unser Produktformular für Factoring eine Anfrage stellen. Wir qualifizieren Ihre Anfrage entsprechend nach, so dass ausschließlich Forfaiteure mit Ihnen Kontakt aufnehmen werden.

Gerichtsentscheid BGH

Der regresslose Ankauf der Forderungen bedeutet, dass auf eine rechtliche Handhabe gegenüber dem Verkäufer der Forderung verzichtet wird. Der Forfaiteur hätte damit keinen Rechtsanspruch an den Forfaitisten. Der Verkäufer haftet jedoch nach einem BGH Urteil vom 10.11.2004. Der Gerichtsentscheid stellt damit einen Rechtsbestand der Forderung fest. Für eine erfolgreiche Forfaitierung muss prinzipiell ein einklagbarer Rechtstitel vorliegen.

Unterschiede zwischen Factoring und Forfaitierung

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich Forfaitierung im Allgemeinen auf Einzelgeschäfte mit nicht langfristigen Zahlungszielen bezieht. Gegenstand des Factorings ist dagegen ein Rahmenvertrag, der das generelle Abtreten sämtlicher Forderungen an das Factoringunternehmen vorsieht. Dieser Rahmenvertrag umfasst dann eine Reihe von Forderungsabtretungen an den Factor. Dazu kommt, dass bei der Forfaitierung von Seiten des Forfaiteurs (der Käufer der Forderung) auch das politische Länderrisiko übernommen wird – neben dem Zahlungsrisiko, das sowohl bei Factoring als auch bei Forfaitierung übernommen wird.

Geldwerter Handel mit ausländischen Forderungen

Der historische Unterschied, dass Forfaitierung für Auslandsforderungen angewandt wird und sich Factoringunternehmen auf inländische Forderungen beschränken, ist heute nicht mehr gültig. Viele der Unterschiede im Detail ergeben sich aus der Tatsache, dass es für forfaitierte Forderungen einen Sekundärmarkt in London gibt, auf dem forfaitierte Rechtstitel gehandelt werden können. So eine Institution existiert für factorisierte Forderungen nicht.

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